81.6 Michael Blumes Antisemitismus-Thesen

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Michael Blume ist Antisemitismus-Beauftragter der baden-württembergischen Landesregierung und hat vor kurzem das Buch “Warum der Antisemitismus uns alle bedroht” veröffentlicht. Matthias kommentiert einige von Blumes Thesen. Etwa “Das Völkerrecht gründet sich auf den Noah-Bund”.

Aufgenommen am 23.06.2019 mit Matthias, Christian und Nico.

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Ein Live-Mitschnitt der kompletten Folge 81 ist hier verfügbar.

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Eine Antwort to “81.6 Michael Blumes Antisemitismus-Thesen”

  1. user unknown Says:

    Ja, dann will ich mal recht geben, wo man recht geben muss:

    Erstens, Gottesebenbildlichkeit und Bildung. Tja, was fällt einem dazu noch ein?
    Ich glaube das ist ein psychologischer Trick, mit dem Religiöse alle Leute, deren IQ die Zahl der Apostel übersteigt aus der Diskussion vergraulen wollen, um im Kreise der übriggebliebenen Idioten zu glänzen.
    Bei allen Bildern, die in der Bildung stecken mögen, steckt ja der kritische Teil, Gott, gar nicht drin in dem Wort. Genauso gut könnte man Bildung auf das Bilderverbot (Du sollst Dir kein Bild machen) beziehen.

    Zweitens, dieser Versuch, den Christchurchattentäter zu einem Antisemiten zu erklären, offenbar weil er böse ist, und Antisemitismus auch böse ist – also müssen die doch zusammenhängen, ist ganz großer Kokolores und ließe schlimmstes befürchten, wären die Antisemitismusbeauftragten der Länder nicht ohnehin der Grüßaugust von Nirgendwo.
    Mir fällt kein Antisemitismusbeauftragter irgendeines Bundeslandes ein, weder durch besonderes Hervortreten, noch namentlich, aus keinem Bundesland.
    Wenn was ist, dann sondern sie ihre Betroffenheitsgeste ab und niemanden juckts.

    (Auf Wikipedia nachgeschlagen – S. Leutheusser-S. sagt mir natürlich was, aber ich wusste nicht, dass sie ASB in NRW ist.)

    Drittens, es gibt Gemeinsamkeiten von Antisemitismus und Rassismus bzw. Sündenbocksuche und Verschwörungstheorien. Auf die Gemeinsamkeiten hinzuweisen ist nicht verkehrt, aber auch da gehe ich mit, dass das nicht den Antisemitismus zur Mutter aller Fremdenfeindlichkeit und aller Verschwörungstheorien macht. Vielmehr sehen alle Religionen für mich nach VTs aus – wieso wird der rechtschaffene Bürger krank, wieso missraten seine Söhne charakterlich, was will uns der Vulkanausbruch/die Mondfinsternis sagen? Es stecken Mächte dahinter, also bringt Opfer und kehrt um!

    Viertens, was war viertens?
    Ach ja – die Verschwörungstheorie, die die Juden sich selbst über sich erzählen. War mir auch mal aufgefallen, wie auch, dass ich es nie thematisiert gefunden habe – jetzt kann ich das ja streichen. Gut, als Pluspunkt der jüdischen Tradition kann man verbuchen, dass sie keinen seichten Disneyschmonz über sich verbreiten, sondern oft sehr unsympathisch daherkommen, in ihren Geschichten. Aber das stammt auch aus einer Zeit, als es noch keine Anthropologen gab, die aus interessenloser Neugier mal geschaut haben, was andere Kulturen so treiben. Die Legenden und Mythen blieben wohl weitgehend im inneren Kreis der Kulturen und wurden selten von Fremden reflektiert.

    Dagegen ist der Jesusmythos ja deutlich opportunistischer angelegt. Der will allen lieb Kind sein. Einmal auf 400 Seiten werden die Händler aus dem Tempel gejagt, einmal befiehtl Jesus den Jüngern die Schwerter wegzustecken und man denkt „Huch! Schwerter? Seit wann laufen die denn bewaffnet rum? Davon war bislang nie die Rede! Und überhaupt – können sich Fischer und Hirten Schwerter leisten? War das nicht schon eine Art Luxus, 30 n.Chr.?“ – aber bevor man diesen Gedanken richtig zu Hirn gebracht hat, ist er auch schon wieder dahin, weil es kommt kein weiteres Schwert mehr vor.

    Bei den Griechen stecken die Götter aber voller Schwächen und agieren selbstsüchtig und recht brutal.

    Die Niebelungen agieren auch nicht sehr gewinnend in ihren Geschichten: Königstreue, da kennen sie nix, und das war’s dann mit den Tugenden.

    Was unsere Geschichte betrifft, da denke ich haben wir es ziemlich leicht: Alles, was antisemitisch ist, ist Tabu. Wir können da nicht mal ein Auge zudrücken.
    Schwer haben wir es nur, wenn, wie in der Beschneidungsdebatte, falsche Beschuldigungen erhoben werden, aber im politischen Disput ist die falsche Beschuldigung Stammgast – das muss man halt lernen, mit sowas umzugehen und die Nerven zu behalten, sachlich zu bleiben, nicht gleich einzuknicken.

    Einen archimedischen Punkt, an dem man den Antisemitismus aushebeln kann, wird man bestimmt nicht finden. Er hat sicher eine Sonderstellung, weil er so alt ist, aber in einer zunehmend säkularen Gesellschaft verfangen Märchen von Hostienschändung und rituellen Kindstötungen sicher kaum noch – vielleicht bei ein paar kleinen Sekten auf dem Land noch, ja.

    Oder dass die russische Revolution ein jüdisches Komplott war – das lockt doch auch keinen heute mehr hinter dem Ofen vor.

    Zwar wiederholt sich die Geschichte, aber nicht so trivial, dass man vorher oder währenddessen immer sieht, welcher Aspekt, der schon mal wo war, sich gerade wiederholt. In der AfD etwa haben einige den Staat Israel und Juden als potenzielle Verbündete gegen den Islam ausgemacht.

    Zum Schluss noch eine atomare, nur eine atomare Verteidigung Blumes.
    Ich habe Blume bislang so verstanden, dass er die Fruchtbarkeitsfreudigkeit religiöser Fanatiker bewundert, aber ihr nicht selbst anheimgefallen ist. Mit 3 Kindern liegt er zwar über dem Schnitt, und das muss noch nicht alles gewesen sein, aber es sieht nicht so aus, als sei er selbst von dieser Propagierung qua Geschlechtsakt überzeugt – zudem sieht das wie eine Patchworkreligiositätsfamilie aus, christliche-moslemisch mit Sympathien fürs Judentum. Es singt Vadder Abraham mit den Schlümpfen.
    Da fehlt doch irgendwo die Fundikomponente.

    Mit zwei Beinen den Spagat zwischen zwei Religionen, dann noch die zwei Arme zur Hilfe genommen für die dritte Religion und die Bedürfnisse des Staates, dem Wunschbild eines toleranten Miteinanders zu entsprechen, das eine einzelne Religion nicht erfüllen kann. Er füllt fast perfekt die Lücke aus – seine Kinder sollten noch Juden oder Atheisten heiraten und was Fernöstliches wäre noch schön.

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