93.4 Furchtbarer Religiot: Wolfgang Thierse zum Sterbehilfe-Urteil

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Im Deutschlandfunk durfte ZdK-Mitglied Wolfgang Thierse unwidersprochen Unwahrheiten zum Sterbehilfe-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 verbreiten. Dabei brachte er immer wieder Argumente vor, die das Gericht in seinem Urteil bereits entkräftet hatte. Der Ketzerpodcast liefert den Faktencheck, den die “Tag für Tag”-Redaktion nicht gemacht hat. Dabei zeigt sich: Das Bundesverfassungsgericht will uns mit seinem Urteil gerade vor Leuten wie Thierse schützen.

VORSICHT: KRAFTAUSDRÜCKE.

Aufgenommen am 13.09.2020 mit Matthias, Christian, Jan und Ramona.

Der Podcast kann hier abonniert werden, der Beitrag kann hier heruntergeladen oder direkt angehört werden:

Ein Live-Mitschnitt der kompletten Folge 93 ist hier verfügbar.

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25 Antworten to “93.4 Furchtbarer Religiot: Wolfgang Thierse zum Sterbehilfe-Urteil”

  1. bun0815 Says:

    Schade doch keine Blume Woche bei den skeptischen Podcast. 😉

    • Skydaddy Says:

      Ich bin noch nicht dazu gekommen, mir die Hoaxilla-Folge anzuhören. Hinterfragen die Blume? Sie scheinen ihn ja nicht zum ersten mal eingeladen zu haben.

      • bun0815 Says:

        Ich muss leider gestehen, ich bin auch noch nicht dazu gekommen die Hoaxilla Folge hören.
        Ich habe nur mit bekommen, das die beiden sich auf Twitter über den nicht respektvollen Umgang mit Blume in den Kommentaren von Atheisten beschwert haben.

      • bun0815 Says:

        Ich habe bisher nur die ersten 25 Minuten der Folge gehört und kann deswegen darüber was schreiben.
        Bisher Hinterfragen sie Blume nicht. Sinngemäß meinte der Hoaxmaster, er habe das Buch in 3 Stunden Zugfahrt verschlungen und es habe ihn sehr gut gefallen.

      • Cosinus Says:

        Das ist auch mindestens schon das zweite Mal, dass Blume bei Hoxilla zugast ist. Das letzte Mal meinten Sie es wäre eine ihrer schönsten Folgen (oder so ähnlich= gewesen. Sie waren also sehr angetan von Herrn Blume.

        ——

        Noch einen Vorschlag, wie wäre es, wenn man Blumes Thesen zu Antisemitismus und Verschwörungstheorien mal zusammenfasst und Experten auf diesen Gebieten vorlegt um mal abzuklopfen, was der Rest der Fachwelt darüber denkt?

        Im Fall von Antisemitismus wäre zum Beispiel das Zentrum für Antisemitismusforschung zu nennen:

        https://www.tu-berlin.de/fakultaet_i/zentrum_fuer_antisemitismusforschung/menue/ueber_uns/mitarbeiterinnen_und_mitarbeiter/

        Die Leute dort können wahrscheinlich gut einschätzen, welchen Gehalt Herrn Blumes Thesen haben,

        Was Verschwörungstheorien angeht könnte man sich an Herrn Prof. Dr. Michael Butter herantreten. Er gilt als Experte für Verschwörungstheorien.

        Kontakt wäre hier möglich:
        https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/neuphilologie/englisches-seminar/sections/american-studies/faculty-staff/prof-dr-michael-butter/

        Das kann man vielleicht als Nachtrag zur kommenden Ketzerpodcastfolge nachreichen.

      • Skydaddy Says:

        Die Anregung finde ich nicht schlecht, aber ich sehe das nicht unbedingt beim Ketzerpodcast. Wir sind ja nicht darauf aus, bestimmte Personen wie Manfred Lütz oder Michael Blume niederzumachen. Das heißt, wir picken uns nicht jemanden heraus und suchen dann nach etwas, was wir kritisieren können. Sondern wir stoßen üblicherweise auf (erkennbaren) Unsinn, der verbreitet wird, und zeigen dann auf, dass und warum es Unsinn ist. Bei Blume ist es m.E. so, dass er einfach nicht ernst zu nehmen ist, weil er seit langem sich typischerweise die Dinge so zurecht biegt, wie sie ihm in den Kram passen. Es ist vermutlich nicht alles falsch, was Blume erzählt, aber das Problem ist eben, dass man sich bei ihm erstens nicht darauf verlassen kann, dass das, was er sagt, stimmt, und zweitens, dass bekannt ist, dass er oft Unsinn erzählt. Vielleicht will ja jemand, der hier mitliest, dazu recherchieren.

    • Cosinus Says:

      Mir geht es nicht darum Herrn Blume niederzumachen. Das wäre auch nicht angemessen.

      Ich hatte mir lediglich gedacht, dass man ähnlich wie ihr es bei den Aussagen Blumes zur Philosophie von Martin Heidecker gemacht habt, sich Input von außen zum Stand der Dinge holen könnte.

  2. manglaubtesnicht Says:

    Bravo, Matthias, 1A zerlegt.

  3. user unknown Says:

    Die Folge hat mir sehr gut gefallen und ich fand fast alles den Nagel auf den Kopf getroffen.
    2 kl. Anmerkungen habe ich dennoch. Mein Vater, Katholik, starb vor nicht allzu langer Zeit nach längeren Phasen von Krankenhausaufenthalten, verbunden mit häufigen und vielfältigen Schmerzen, in einem kath. Hospiz. Im kath. Krankenhaus hat er ohne Diskussion Schmerzmittel bekommen und im Hospiz auch. Der Schmerzensbecher wird also nur so lange gepriesen, wie man davon phantasiert – Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Wobei mein Vater nie groß Schmerzen gepriesen hat, auch früher nicht. Was ihm Katholizismus bedeutet hat er meist für sich behalten und nicht darüber gesprochen – zum Teil ist es mir ein Rätsel, zum anderen Teil waren einfach alle Verwandten um ihn rum auch Katholiken und die Nachbarn, die meisten Freunde usw.

    In dem Zusammenhang zögere ich auch, Thierse einen Fundamentalisten zu nennen. Fundamentalismus ist eine Erneuerungsbewegung, die zu den Fundamenten zurückwill, meist historische Texte neu, richtig, im Sinne einer vorgestellten Urgemeinde vielleicht neu interpretiert – dafür fehlen bei Thierse die Anzeichen. Wenn, dann passt auf ihn eher das Etikett der Orthodoxie, also der überlieferten Lehre, wie sie sich in langer Zeit herausgebildet hat.
    Mit dem Fundamentalismus gemeinsam hat sie den Eifer, die Strenge.

    Allerdings wird in den Diskussionen oft beides gleichbedeutend verwendet als Strenge.

    Da sich die Konzentration auf das Leiden schon lange durch das Christentum zieht, sehe ich darin eine echte Tradition und komme so eher bei Orthodoxie raus. Thierse verkauft es auch nicht als die große Erneuerung, durch die das Christentum jetzt durchmüsse, sondern sieht sich wohl mehr als jmd., der für die anderen Christen artikuliert, und weil die durch die Beschäftigung mit dem Tod so super Bescheid wissen auch den ahnungslosen Säkularen gegen deren Willen zum Glück verhelfen muss.

    Dass ihm dabei völlig der Verstand und die kritische Selbstreflexion abhanden gekommen sind (oder ist der immer so, auch in nichtreligiöösen Fragen?) erkläre ich mir damit, dass das Christentum insgesamt um Tod herum gebaut ist. Egal man glaubt, es ginge v.a. darum brav an Gott zu glauben oder im Leben anderen Menschen Gutes zu tun, am Ende entscheidet sich, ob man in den Himmel oder die Hölle kommt.

    Dabei blendet er total aus, dass all die, die ihrem Leben selbst ein Ende setzen können, das ja auch straffrei tun können, das müsste er eigentlich mit thematisieren, mit seiner Geschenkmetapher.

    Ich glaube diese Leute haben in ihrem eigenen Club für ihre Ansichten schon keine Mehrheit, also unter den kirchensteuerzahlenden Sonntagsmessenbesuchern nicht. Aber über ihre Organisation haben sie einen überproportionalen Einfluss auf die Politik und tradieren längst überkommene Vorstellungen in die Zukunft, schon bei der Beschneidungsdebatte, jetzt bei der Sterbehilfedebatte.

  4. Lilalaunebär Says:

    Wurde diese Folge der Redaktion „Tag für Tag“ beim DLF als Hörenpost zugeschickt? Die Reaktion auf den Vorwurf des mangelnden Faktencheckd würde mich intetessieren.

    • Skydaddy Says:

      In früheren Fällen gab es als Antwort jedes Mal eine pampige E-Mail von Christiane Florin, die es nur noch schlimmer machte. Ketzerpodcast-Hörerinnen und -hörer dürfen die Tag für Tag-Redaktion aber gerne auf diesen Beitrag hinweisen.

      • Alekto Says:

        Und hier ist die neueste pampige Antwort von Frau Florin auf meinen Hinweis auf den Thierse-Ketzerpodcast:

        Danke für die Mail. Der Ketzerpodcast hat messerscharf erkannt, dass Herr Thierse die katholische Position zum Verfassungsgerichtsurteil vertritt. Und da die katholische Lehre große Probleme mit dem Autonomiebegriff hat – ich würde sogar sagen: sie lehnt Autonomie ab -, kritisiert er die Entscheidung.

        Haben Sie eigentlich mitbekommen, dass der Beitrag in einer Reihe erschienen ist, die verschiedene Religionen nach ihren Vorstellungen eines selbstbestimmten Lebensendes befragt? Kann man leicht an der Linkliste erkennen.

        Am Tag nach dem Thierse-Interview hat der evangelische Theologe Werner Ritter das Urteil gelobt: https://www.deutschlandfunk.de/selbstbestimmt-am-lebensende-die-evangelische-pluralitaet.886.de.html?dram:article_id=483166.

        Aber so viel Debatte ist zu komplex für den Ketzer-Podcast. Da sind mehrere Leute stets einer Meinung.

        Beste Grüße
        Christiane Florin

      • Skydaddy Says:

        Danke. Da habe ich wohl nicht zu viel „versprochen“. Kannst Du vielleicht noch Deine Mail an den DLF hier posten oder an podcast@atheismus.de schicken? Vermutlich bist Du ja auf die Fake News eingegangen, die Thierse abgesondert hat. darauf hätte Frau Florin ja eingehen müssen.

  5. Skydaddy Says:

    Ich will noch anmerken: „Journalisten“ wie Frau Florin, die hier offenbar für die gesamte Religions- und Weltanschauungsredaktion des DLF spricht – „Journalisten“ wie Frau Florin, die offenbar erklärtermaßen überhaupt nicht darin interessiert sind, ob ihre Gäste Bullshit verbreiten, sind genau diejenigen, die die Verbreitung von Bullshit ermöglichen.

    • Alekto Says:

      Ich gestehe, dass ich die Email provozierend formuliert habe:

      „Sehr geehrte Damen und Herren,

      mich würde interessieren, was Sie zur Kritik des ketzerpodcasts an Ihrer Sendung „Die katholische Position: Thierse: Suizid als Inbegriff der Selbstbestimmung? Nein!“ , vom 27.08. sagen:

      Sie haben, wie Matthias Krause in der Sendung überzeugend darlegt, offensichtlich wirklich Ihre Fakten nicht gründlich genug geprüft. Geschieht so eine Nachlässigkeit, weil Sie sowieso grundsätzlich weltanschaulich Sympathisanten des Katholizismus sind und daher gar nichts mehr hinterfragen wollen, was von dessen Vertretern behauptet wird, oder einach aus reiner Faulheit?“

      Ich dachte, dass ich heute Abend wohl noch eine provozierende Antwort auf die Email von Frau Florin schreiben werde. Die stelle ich hier dann auch gleich als Kommentar rein.

      • Skydaddy Says:

        Danke. Ich schlage vor, Du skizzierst kurz, wo Thierse Fake News verbreitet und wo er das Urteil nicht versteht. Sonst können die ja nicht auf die Kritik antworten. Man kann ja nicht verlangen, dass die sich den Podcast anhören. Hätten sie das getan, wüssten sie ja, dass ich darin tatsächlich erwähne, dass es sich um eine Reihe von mehreren Beiträgen handelt. Deshalb ist es ja umso peinlicher, dass sie sich offenbar mit dem Urteil und der Situation in Thierses Beispiel-Ländern nicht auseinandergesetzt haben.

      • Alekto Says:

        Ja, Daddy, ich werde meine Hausaufgaben nach bestem Wissen und Gewissen machen.

      • bun0815 Says:

        @Alekto
        Bei der nächsten Email könntest du ja nachfragen warum in der Reihe kein Vertreter einer sekularen humanistischen Organisation zur Wort gekommen ist, aber ein Vertreter des Buddhismus vorgekommen ist.

      • Skydaddy Says:

        @bun0815: Gibt es noch irgendwo eine Liste der Beiträge aus der Reihe? Ich habe nichts mehr gefunden.

      • bun0815 Says:

        @skydaddy
        Wenn du den Link in der veröffentlichten Antwort von Frau Forin ( hier nochmals der Link https://www.deutschlandfunk.de/selbstbestimmt-am-lebensende-die-evangelische-pluralitaet.886.de.html?dram:article_id=483166 ) anklichst. Auf der dortigen Webseite gehst und dann rechts unter dem Bild gibt es die Beiräge der Reihe unter der Überschrift „Mehr zum Thema“.

  6. Alekto Says:

    Ächz, ächz, ächz. Also alle Deine Wünsche konnte ich sicher nicht erfüllen, Matthias. Es wäre eine endlos lange Liste von Einzelpunkten geworden. Hier meine Antwort an Frau Florin:

    Sehr geehrte Frau Florin,

    Vielen Dank für Ihre freundliche Antwort. Leider scheinen Sie die von mir angeführte Sendung des ketzerpodcasts nicht wirklich genau angehört zu haben, weswegen ich hier einige Punkte noch einmal deutlich hervorheben möchte.

    1. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass Matthias Krause sich bei seiner Auseinandersetzung mit dem Thierse-Interview durchaus der Tatsache bewußt war, dass dieses Interview Teil einer Sendereihe ist. Das geht aus seinen Äußerungen ab Minute 1:06:47 hervor. (Einen Fehler macht er allerdings tatsächlich, als er sagt, Ralf Meister – der im Interview nur zitiert wird – sei Ihr Interviewpartner gewesen, obwohl es doch Werner Ritter war.) Und was die Fähigkeit der ketzerpodcast-Macher betrifft, komplexe Phänome zu erfassen, so weise ich darauf hin, dass Herr Krause durchaus erkennt, dass es eine allgemeinverbindliche christliche Position gar nicht gibt (1:07:10). – Eine Sache noch allgemein zu dieser Sendereihe: Da Sie doch offensichtlich Wert darauf legen, dass im podcast „Tag für Tag“ auch Religionslose zu Wort kommen, drängt sich natürlich die Frage auf, warum in dieser Reihe von Interviews zum selbstbestimmten Sterben keine Vertreter des Atheismus oder Humanismus zu Wort gekommen sind.

    2. Im Folgenden werde ich zunächst exemplarisch einige Äußerungen Thierses und ihre Kritik durch den ketzerpodcast anführen, ehe ich dann noch einmal mein grundsätzliches Problem mit Ihrem journalistischen Vorgehen erläutere:
    a. Wie Sie so richtig sagen, haben die Katholiken ein Problem mit dem Autonomiebegriff – und auch mit dem Recht auf Selbstbestimmung. Aus dem Recht auf Selbstbestimmung hat das Gericht das Recht auf assistierten Suizid abgeleitet, und dieser muß auch praktikabel sein, daher die Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Sterbehilfe. Das sind ganz sachlich-rechtliche Argumente, stellt der ketzerpodcast fest. Wie kommt nun Herr Thierse dazu davon zu sprechen, dass das Gericht den Suizid heroisiere und zum Inbegriff menschlicher Selbstbestimmung mache, dass es die menschliche Autonomie verabsolutiere? Wäre es nicht journalistisch sinnvoll gewesen, diese dramatisierende Sprache Thierses vor dem Hintergrund der nüchternen Ausführungen des Verfassungsgerichtsurteils zu hinterfragen?
    b. Herr Thierse stellt im Kern eigentlich korrekte Informationen in sehr verzerrter Weise dar, möglicherweise mit der Absicht, die Hörer zu ängstigen und ihnen zu suggerieren, dass das Sterbehilfeurteil des Bundesverfassungsgerichtes dazu führen würde, dass gierige Erben, boshafte Alten- und Krankenpfleger oder auch skrupellose Organhändler alte, wehrlose Menschen zum Suizid drängen oder gar gleich zu Tode spritzen. Hier einige Beispiele:
    – Thierse weist darauf hin, dass 90% der Suizidwünsche, wie das Gericht selbst sagt, von psychisch kranken Personen geäußert werden. Thierse scheint nun all diese Personen für nicht entscheidungsfähig zu halten, was ihre Suizidwünsche betrifft, während, wie der ketzerpodcast betont, laut Gericht psychiatrisch nur 20 bis 25% nicht als entscheidungsfähig gelten. Und all diese laut Thierse nun eigentlich nicht entscheidungsfähigen Personen würden nun, ebenfalls laut Thierse, in Holland auf Wunsch getötet. Dass der Wunsch einer nicht therapierbaren, psychisch kranken Person durchaus sehr ernst genommen werden muß, zeigt der ketzerpodcast am Beispiel einer jungen Frau, die ihre Krankheit nicht länger ertragen kann. Wäre es journalistisch unredlich, Herrn Thierse nach seiner Empathie für solche Menschen zu fragen?
    – Laut Thierse werden sterbewillige Personen in Kanada geradezu dazu gedrängt, ihren Tod schnell herbeizuführen, damit ihre Organe zur Transplantation zu Verfügung stehen. Tatsächlich ist es gemäß den Nachforschungen des ketzerpodcasts lediglich so, dass Personen, die über einen Suizid nachdenken, über die Möglichkeit der Organspende informiert werden dürfen, aber keinesfalls zu einer Entscheidung gedrängt werden. Sollte eine Journalistin Herrn Thierse nicht danach fragen, woran er erkennen kann, dass ein Akt des reinen Informierens zu einem Drängen auf eine bestimmte Entscheidung hin wird? (Gert Scobel würde ich solche Fragen zutrauen.)
    Die Beispiel aus der ketzerpodcast-Folge ließen sich noch weiter fortsetzen, aber hören Sie es sich selbst an.

    3. Mein grundsätzliches Problem ist nun dies: Den Kirchen wird ja nun in den öffentlich-rechtlichen Medien wahrlich genug Sendezeit zugestanden, während derer sie ihre z.T. fragwürdigen Positionen und ihre Weltanschauung ungehindert verbreiten können. Sollten nicht dann solche Sendungen, die nicht ausdrücklich den Kirchen gehören, vor allem auch dazu dienen, dass deren Positionen von gut informierten Journalisten kritisch beleuchtet werden, statt dass sie zu einer weiteren Plattform für christliche Propaganda mutieren? Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor anläßlich eines Holocaust-Gedenktages würden Vertreter der verschiedensten politischen Parteien und Gruppierungen vom Deutschlandfunkt in einer Sendereihe interviewt. Wenn nun Vertreter rechtsextremer Positionen in ihren Interviews den Holocaust leugnen, würden Sie dass auch so lammfromm und unhinterfragt gesagt sein lassen wie Thierses Ausführungen? – Wie Sie sich sicher denken können, ziehe ich diesen provozierenden Vergleich nicht zufällig, denn Thierse rückt das Bundesverfassungsgericht – und damit letztlich auch den modernen deutschen Rechtsstaat – ja ausdrücklich in die Nähe der NS-Justiz bzw. des NS-Staates. Nicht umsonst reden auch andere Vertreter der katholischen Kirche vom „Euthanasie-Urteil“, das den Weg zur Beseitigung „unwerten Lebens“ freigibt. Und das läßt der Deutschlandfunk so unhinterfragt geschehen?

  7. Alekto Says:

    Frau Florin ist fleißig. Hier ihre Antwort:

    Danke für die Mail. Natürlich habe ich den Podcast genau angehört, sonst würde ich nicht dazu Stellung nehmen. Aber Sie haben ihn nicht genau gehört.

    Am Ende heißt es dort: „Man muss ja auch tatsächlich die Redaktion ein bisschen ohrfeigen. Man muss sich halt das Urteil vorher durchlesen. Wenn man ne Sendereihe dazu macht, die fragten ja dann nach der christlichen Position, aber vorher hatten sie natürlich den Ralf Meister, das ist der Landesbischof von Hannover, und der argumentiert theologisch…“

    Daran ist so ziemlich alles falsch bzw. nachlässig: Wir haben weder eine Sendereihe zum Bundesverfassungsgerichtsurteil gemacht, sondern haben – Stichwort: Redaktion: Religion und Gesellschaft – gefragt: Was sagen verschiedene Religionen zum selbstbestimmten Sterben, haben sie überhaupt einen Begriff von selbstbestimmtem Leben? Vorgestellt wurden in fünf Teilen Buddhismus, Judentum, Islam, katholische und evangelische Kirche. Am Tag vorher hatten wir nicht Ralf Meister, sondern islamische Theolog*innen und am Tag danach Werner Ritter.

    Kurzum: Der Ketzerpodcast hat das Konzept der ganzen Reihe nicht verstanden, auch nicht verstehen wollen und außer Thierse nichts gehört. Das passiert auch deshalb, weil online anders funktioniert als on-air. Man muss genau hinsehen, um zu erkennen, dass es mehrere Teile sind.

    Über die Positionen zum Bundesverfassungsverfassungsgerichtsurteil hat der DLF vorher und nachher ausführlich in Sendungen berichtet, aber hier war eben die Frage eine andere. Die journalistische Freiheit, eigene, dem Ressort entsprechende Fragen zu stellen, nehmen wir uns.

    Demnächst werden wir in Tag für Tag etwas intensiver recherchieren, wer wie versucht, den Gesetzgebungsprozess zum Paragrafen 217 zu beeinflussen. Angefangen haben wir schon mal diese Woche hiermit:

    https://www.deutschlandfunk.de/paragraf-217-palliativmediziner-uneins-ueber-sterbehilfe.886.de.html?dram:article_id=485294

    Bei mir gehen Drohungen katholischer Fundis ein, Buddhisten wünschen mir die Widergeburt als Kröte an den Hals und es ist immer wieder interessant zu sehen, dass es auch einen autoritären Atheismus gibt.

    Kürzlich sprach ich mit Michael Schmidt-Salomon darüber, was das Gefährliche an Religionen ist. https://www.deutschlandfunk.de/philosoph-michael-schmidt-salomon-aufgeklaerte-religion.886.de.html?dram:article_id=482051.

    So richtig darauf antworten konnte er nicht. Das, was er als gefährlich beschrieb, ist nicht spezifisch religiös. Es ist autoritär bis totalitär.

    Mir ist schon klar, dass Sie nun nicht schreiben werden, dass der Ketzerpodcast etwas Falsches behauptet hat. Aber nix für ungut. Podcasts müssen – anders als Radiosendungen – keinen journalistisch-redaktionellen Ansprüchen genügen. Hören Sie mal bei Tag für Tag rein. Montags bis freitags 9.35 Uhr oder in der Audiothek.

    Beste Grüße

    • Skydaddy Says:

      Frau Florin ist offenbar wieder in Hochform. Genau diese Sorte Antworten kenne ich von ihr. Statt vernünftig auf die im Kern sachliche und nachvollziehbare Kritik einzugehen, sucht sie irgendwelchen Kleinkram, den sie kritisieren und damit vom Thema ablenken kann. Das Dumme ist nur: Ohne Frau Florins Antworten könnte man der DLF Religions-Redaktion meist Gedankenlosigkeit unterstellen, aber keinen bösen Willen. Mit ihren Antworten belegt Frau Florin allerdings, dass sie an konstruktiver Kritik oder vernünftigem Journalismus wenig Interesse hat, und journalistische Kriterien offenbar lieber bei anderen anlegt als bei der eigenen Redaktion.

  8. Alekto Says:

    Ja, mein Gott, Matthias, wie konntest Du nur, Du hast auch noch den Tag durcheinandergekriegt, an dem das Ritter-Meister-Interview war…. Das disqualifiziert natürlich sofort alle Deine vorhergehenden Aussagen.

    • Skydaddy Says:

      Der Witz ist: Wenn Sie schon das mit dem Meister-Interview bemängelt, kann sie Thierses Unwahrheiten nicht durchgehen lassen. Damit entlarvt sie sich mal wieder als unredlich.

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