Live-Mitschnitt 89

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Hier der Mitschnitt unserer heutigen Ketzersitzung (4 Stunden 38 Minuten):

mp3-Version (134MB)
mp4-Version (stärker komprimiert für mobile Nutzer, 69MB)

(Der Player spielt die mobile Version ab.)

Themen:

0:00:37 Intro (ein Beitrag unseres Hörers Jörn – vielen Dank!)
0:03:38 Studie belegt: Anschauen von Pornografie mindert die Religiosität
0:08:08 Die Kollegen von manglaubtesnicht haben einige besonders gute Folgen veröffentlicht
0:34:16 Dummer Anruf von Olaf Latzel und Besprechung desselben (Quelle 1, Quelle 2).
1:11:24 Updates zur „Sargnagel“-Folge:
1:12:21 Die FAZ (!) schreibt: Fundamentalisten machen uns krank
1:13:55 Der Religionssoziologe Detlef Pollack erklärt: Durch die Krise werden Menschen nicht wieder religiöser
1:18:41 Die Theologin Irene Dingel stößt in dasselbe Horn
1:25:35 Christiane Florin zur Forderung nach Gottesdiensten trotz Corona: „Dieses strapazierte Beispiel mit dem Baumarkt … hinkt ja etwas … man küsst ja in der Regel im Baumarkt nicht die Bohrmaschine“. (Audio Clip, kompletter Beitrag)
1:26:33 Theologisches Scheinproblem: Wie viel Glauben braucht es für eine kirchliche Trauung?
1:36:05 Jan empfiehlt den YouTube-Kanal The Line – eine Call-in-Show à la The Atheist Experience. Nur freundlicher, laut Jan.
1:38:35 Es wurden wieder zahlreiche Theologinnen und Theologen in den Ethikrat berufen. U.a. Petra Bahr, die 2012 Verfassungsrichtern erst eine erfundene Geschichte aufgetischt hatte, und, nachdem dies ruchbar wurde, ihr veröffentlichtes Vortragsmanuskript „entschärfte“, ohne dies kenntlich zu machen (Wir berichteten).
1:49:30 Seuchen – früher und heute
1:57:45 Spontane Ethikdiskussion über Racial Profiling
2:12:05 Studie Death Anxiety and Death Acceptance in Atheists and Other Nonbelievers. Atheisten haben offenbar etwas weniger Angst vor dem Tod
2:14:11 Buch: Atheists in America von Melanie Brewster
2:50:41 Matthias erläutert, weshalb Religion seiner Meinung nach nichts Positives zur Krisenbewältigung beiträgt, sondern Krisen gerade noch verschlimmert. Aufhänger ist das Interview mit der Theologin Irene Dingel (s.o.)
4:01:22 Buchvorstellung: Humans: A Brief History of How We F*cked It All Up von Tom Phillips. (Deutsche Ausgabe: Echt jetzt?: Die beknacktesten Aktionen der Menschheit)
4:30:30 Streaming-Tipp: Unorthodox (Netflix)
4:32:06 Marc von Answers Without Questions hat die Ketzerpodcast-Hausaufgabe gemacht und sich beim Deutschen Kinderhilfswerk über die Website kindersache.de beschwert, die Kindern Religion und Homöopathie näherbringt.
4:35:45 Fernsehhinweis: Die radikalen Christen und die Corona-Krise (NDR Doku 7 Tage)
4:36:49 Schlauer Spruch von Tom Phillips (s.o.)
4:37:41 Verabschiedung

5 Antworten to “Live-Mitschnitt 89”

  1. Martin Franck Says:

    Dietrich Bonhoeffer sagte man müsse leben, als ob es Gott nicht gäbe: etsi deus non daretur.
    Das Gottesbild nähert sich dem der Atheisten.

  2. Skydaddy Says:

    Ich sage ja immer: Gott verhält sich so, als ob es ihn nicht gäbe. Also verhalten wir uns auch so.

    • Martin Franck Says:

      Ein interessantes Beispiel fand ich in dem Buch von Robert M. Price:
      https://www.pitchstonebooks.com/catalog/jesus-christ-superstition Jesus Christ Superstition.
      Er bringt die Idee des magischen Denkens. Sprich, man sagt ein paar Zaubersprüche: Abrakadabra, Hokuspokus, Simsalabim etc. und erwartet eine bestimmte Reaktion. Als Beispiel nennt er die Transsubstantiation, also die Wandlung von Brot und Wein in den tatsächlichen Leib Christi. Wenn ein Katholik die Eucharistie empfängt, ist er sich sicher, daß die Hostie gewandelt wurde. Egal ob der Priester vielleicht mal einen schlechten Tag hatte, oder irgendwie nicht ganz bei der Sache war. Es klappt immer und zu 100 %.
      Andererseits wird gesagt, die Wege des Herrn sind unergründlich, sprich man weiß nie was passiert.
      In dem Buch versucht Price, die Unterscheidung zwischen Theisten und Atheisten aufzubrechen, und empfiehlt eher so zu handeln, daß es keinerlei Unterschied macht, denn man hat ja keinerlei Erwartung.
      Das macht die Argumentation wesentlich einfacher. Man kann sogar sagen, daß die Möglichkeit irgendetwas Höheres, Pandeistisches nicht auszuschließen sei, aber das bedeutet ja nicht, daß man gleichzeitig damit einschließt zu glauben, daß es einen historischen Jesus gab, daß er sogar auferstanden sei etc.
      Bertrand Russell schrieb 1947 in seinem Buch: Am I An Atheist Or An Agnostic https://en.wikiquote.org/wiki/Bertrand_Russell#Am_I_An_Atheist_Or_An_Agnostic?_(1947) As a philosopher, if I were speaking to a purely philosophic audience I should say that I ought to describe myself as an Agnostic, because I do not think that there is a conclusive argument by which one prove that there is not a God. On the other hand, if I am to convey the right impression to the ordinary man in the street I think that I ought to say that I am an Atheist, because, when I say that I cannot prove that there is not a God, I ought to add equally that I cannot prove that there are not the Homeric gods.

      • Skydaddy Says:

        Hi Martin, vielen Dank für Deinen Kommentar. Zwei Anmerkungen:

        Erstens: Meines Erachtens beschreibt der Begriff „Agnostiker“ prinzipiell etwas anderes als „Gläubiger“ und „Atheist“. Die allermeisten Gläubigen wie Atheisten würden einräumen, dass sich die Existenz bzw. Nichtexistenz Gottes nicht beweisen lässt. In dieser Hinsicht sind also Gläubige wie Atheisten Agnostiker. — Was den Gläubigen auszeichnet ist, dass er sich so VERHÄLT, als gäbe es Gott. Und den Atheisten zeichnet aus, dass er sich so VERHÄLT, als gäbe es keinen Gott. Auch Agnostiker sind übrigens immer Atheisten, denn wer nicht weiß, ob es Gott gibt, glaubt nicht an ihn.

        Zweitens: Es sind m.E. gerade die Christen, die (durch Apologeten beeinflusst) meinen, Atheisten würden auf der Basis ihres „Glaubens“ argumentieren. So wird z.B. der historisch-kritischen Methode vorgeworfen, dort würde von vornherein ausgeschlossen, dass es Wunder geben könne. (Es ist auch tatsächlich so, dass Vertreter der HKM mitunter so argumentieren.) Aber selbst, wenn man davon ausgeht, dass Wunder möglich sind, ist es immer noch viel wahrscheinlicher, dass eine Wundergeschichte auf Erfindung oder Täuschung zurückgeht als auf ein echtes Wunder. Deshalb wird bei der HKM angenommen, dass Wundergeschichten nicht echt sind – nicht, weil man Wunder von vornherein für unmöglich hält.

      • Martin Franck Says:

        Hi Matthias,

        nach Lesen mehrer Bücher, mit unterschiedlichen Definitionen was genau einen Agnostiker und einen Atheisten ausmacht, stellte ich fest, daß es sehr unterschiedliche Meinungen dazu gibt.
        Manche behaupten Agnostiker würden sagen, daß man es gar nicht wissen könne.
        Nehme ich die Auffassung, die ich selbst hatte, bevor ich mich als Atheist definierte, so behauptete ich damals, Agnostiker zu sein. Schon als ich mich noch als Christ sah, glaubte ich niemals an eine Auferstehung Jesu, und mein liebster Spruch damals war: Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott.
        Man war sich später als Agnostiker dann zwar nicht so sicher, aber man hatte irgendwie so eine Art Grundvertrauen. Man betete zwar nicht, aber sagte sich: Irgendwie wird es schon gehen, oder: Wer weiß, wozu es gut ist. Vielleicht gibt es eine ausgleichende Gerechtigkeit?
        Ein wenig erinnerte mich später die Autorin https://www.zeit.de/autoren/S/Valerie_Schoenian/index daran. Sie bezeichnet sich zwar als Atheistin, aber hat dieses Gottvertrauen (das sie anders nennt), wie in ihrem Buch: „Halleluja. Wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen“,
        Erst nach dem Lesen der Trilogie von https://en.wikipedia.org/wiki/John_W._Loftus :
        The Christian Delusion (2010), The End of Christianity (2011), Christianity Is Not Great (2014) dachte ich nach jedem Kapitel:
        Rein rational gebe ich den Autoren in allen Dingen recht, aber emotional sträubte sich etwas in mir.
        Später sah ich dann von Julia Sweeney: Letting Go of God, die beschreibt, wie sie ganz kurz ihre no god glasses https://www.youtube.com/watch?v=C74-f4ZV-ss&t=5518 aufsetzte und ihr schwindelig wurde.
        Erst nachdem ich die Evidenz akzeptierte, bemerkte ich, daß ich insgeheim doch an irgendetwas glaubte, mir dessen aber nicht bewusst war.
        Richard Carriers schrieb mal, daß viele Fans empfahlen, das Buch von Albert Camus zu lesen: Le Mythe de Sisyphe.
        Es gibt keine ausgleichende Gerechtigkeit. Alles ist Zufall. Für vieles gibt es (noch?) keine Antworten, und die Antworten, die wir haben, sind nur vorläufig, und können morgen schon wieder verworfen werden.
        Fragt man, warum es Verschwörungstheorien gibt, und womit viele Leute bei Covid-19 Probleme haben, so ist es die Unsicherheit und Ambiguität. Vielen wollen lieber eine Antwort haben, als keine.
        Selbst viele, die sich als Atheisten bezeichnen, weichen auf Ersatzreligionen bzw. Religionsersatz aus.
        Bei der Klimadebatte gab es auf HPD einen Schlagabtausch mit MSS und Philipp Möller und Religiösen Gerta Thunberg-Anhängern https://hpd.de/artikel/klimastreikbewegung-saekularreligion-17275#comment-55667 .
        Insofern ist der Vorwurf, daß Atheismus nur eine andere Form des Glaubens sei, nicht so ganz von der Hand zu weisen. Zumindest bei einem Teil der Leute. Statt Bibel und Jahwe, hält man sich an Richard Dawkins und The God Delusion.
        Neil Godfrey https://vridar.org/2018/03/21/discovering-why-even-atheists-deplore-jesus-mythicism-or-thoughts-on-cult-atheism/ sprach von Cult Atheism.
        Insofern sage ich: Agnostizismus ist zwar besser, als gläubig zu sein. Aber auch Atheisten sind nicht frei von Ideologien. Wenn Leute wie Valerie Schönian glauben, daß sie frei von Glauben seien, nur weil sie als Ost-Kind ohne Religion aufwuchsen, so irren sie.
        Du hast recht, es kommt auf das Verhalten an. Aber ich denke, viele halten sich insgeheim doch an Et kölsche Jrundjesetz: Et hät noch immer jot jejange.
        Mein bisheriger Eindruck, woher das Böse kommt, lässt sich auf zwei Eigenschaften zurückführen: Dummheit und Faulheit, wobei sich beide gegenseitig bedingen. Euer besprochenes Buch: Humans: A Brief History of How We F*cked It All Up von Tom Phillips, bestätigt den Eindruck.
        Viele interessieren sich nicht für die HKM. Es ist zu anstrengend. Man liest lieber den https://www.bibleserver.com/EU/Psalm23

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