Live-Mitschnitt 62: Regensburger Domspatzen, Geschichte des Glaubens, Warum es keinen Gott gibt, Kutschera im Genderwahn

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Hier der Mitschnitt unserer gestrigen Ketzersitzung zum Downloaden (3:05 Stunden, 267 MB):

Themen:

0:24:08 Dummer Anruf von Kardinal Müller wegen der Regensburger Domspatzen (AbschlussberichtZitatsammlung)

0:46:23 Christian stellt Matthew Kneales Buch „An Atheist’s History of Belief: Understanding Our Most Extraordinary Invention“ vor.

1:10:27 Christian stellt Armin Navabis Buch „Why There Is No God: Simple Responses to 20 Common Arguments for the Existence of God“ vor.

1:32:07 Matthias hat Ulrich Kutscheras „Argumente“ gegen den von ihm wahrgenommenen Genderwahn untersucht.

3:02:17 Schlauer Spruch des Christentumkritikers Kelsos.

Der Live-Mitschnitt steht außerdem wie immer bei mixlr.com/ketzerpodcast/showreel/ als Stream zur Verfügung, außerdem hier zum Download.

7 Antworten to “Live-Mitschnitt 62: Regensburger Domspatzen, Geschichte des Glaubens, Warum es keinen Gott gibt, Kutschera im Genderwahn”

  1. LV Says:

    Ausgesprochen gute Darstellung der Kutschera-Affäre von Matthias. Ich habe vor ein paar Jahren mal in Judith Butlers ‚Gender Trouble‘ reingelesen, und Kutschera ist wirklich ein Musterbeispiel dafür, dass eben auch das biologische Geschlecht ‚konstruiert‘ wird. Er leitet ja allerlei Verhaltensnormen aus seiner ’neutralen Herangehensweise‘ an das Thema ab. Wir sind uns aber alle klar, dass diese ‚Schlussfolgerungen‘ keinesfalls zwingend sind, wie auch niemand biologisches Geschlecht und Sex zwanghaft auf Kutscheras absurd schmale Definition runterbrechen muss (ich frage mich immer noch, ob er weiß, dass Frauen eine Klitoris haben, und dass die für den Sexakt nach Kutschera vollständig überflüssig ist).

    Der Mann ist echt eines besten Beispiel für naturalistische Fehlschlüsse, das man sich wünschen kann. Hoffentlich schaffen es einige seiner Sätze in logische Lehrbücher.

    Und dieses Mal glänzt auch der Admiral auch durch Differenziertheit, wenn auch nur auf der Grundlage persönlicher Anekdoten.

    Ich tue mir gerade das Interview mit den Gottlosen an, und muss sagen, dass mir da wirklich die Galle hochkommt. Die Art und Weise wie dieses schmalbrüstige Beta-Männchen (siehe Fotobeleg mit den deutlich maskulin-breitschulterigen Männern vom Podcast im Vergleich) hier uns alle beleidigt, indem er ’normalen Männern‘ unterstellt, sie würden heulende Kinder – eigene oder Kuckuckskinder (Wie findet man das eigentlich raus? Schlägt man die Frau, bis sie einen Seitensprung gesteht? Oder sollen wir am besten gleich die Josef-Fritzl-Methode anwenden?) – am liebsten zum Fenster rauswerfen, hinterlässt den Hörer wirklich sprachlos.

    Kindergeschrei ist ekelhaft und erhöht das Stresslevel sehr schnell. Es lockt Eltern und andere Verwandte/Menschen schon an, aber wenn’s nicht aufhört, nachdem man sich Mühe gegeben hat, das Problem zu lösen, wird man wütend.

    Aber um da zu Gewalt zu greifen, muss man schon ein ziemlicher Rohling sein. Dass es da insbesondere bei Männern im Kutschera-Universum zu Gewalt kommen kann, ist kaum überraschend. Wer hat denn nach einen 8-Stunden-Arbeitstag bestehend aus hoffentlich möglichst viel körperlicher Jäger-und-Sammler-Arbeit noch Lust oder Geduld, sich mit einem kreischenden Säugling zu beschäftigen? Aber wenn man die Muße dazu hätte, wäre das schlichtweg kein Problem, vor allem wenn man das Kind tatsächlich gewollt hat. Aber die durchschnittliche Frau steht auch nicht auf das Geschrei von Blagen und ist durchaus auch zur Misshandlung von Säuglingen fähig. Die braucht dazu nicht unbedingt böse Stiefväter…

    Aber es ist ja schön, dass Kutschera männliche Gewaltexzesse entschuldigt. Es ist wohl nur bedauerlich, dass diese biologisch-juristischen Weisheiten so spät kommen – ansonsten hätte sein eigener Vater den kleinen Schreihals wahrscheinlich seinerseits zum Fenster rausgeworfen.

  2. LV Says:

    Sorry, für den zweiten Kommentar, ich will euch nicht zuspammen. Aber jetzt kommt der von rechtlicher Gleichstellung doch tatsächlich zu ‚biologischer Gleichstellung‘ bei Regenwürmern und Blutegeln. Versteht der Mann nicht, dass er sich damit lächerlich macht und macht den Kategorienfehler wirklich, oder ist er nur bösartig. So wie ich Matthias in Erinnerung habe, ist wahrscheinlich eher Letzteres der Fall.

    • Skydaddy Says:

      Gut beobachtet! Kutschera scheint tatsächlich regelmäßig zu übersehen, dass seine Gegner_Innen von RECHTLICHER Gleichstellung und SOZIALEN Aspekten usw. sprechen, worauf er in einem fort mit BIOLOGISCHEN Sachverhalten kontert.

      Als Beispiel dafür hatte ich vorbereitet (aber aus Zeitgründen nicht gebracht): Kutschera gleicht jemandem, der bestreitet, dass es so etwas wie Romantik gibt – mit dem Hinweis darauf, dass es sich bei dem, was wir „Liebe“ nennen, letztlich nur um elektrochemische Prozesse im Körper handelt.

  3. Skydaddy Says:

    Danke!

    Ich würde Kutschera nicht als „bösartig“ bezeichnen, allerdings als „niederträchtig“, was seine verzerrten Darstellungen angeht, insbesondere im Hinblick auf John Money und die Reimer-Affäre.

    Ich will ihm durchaus zugutehalten, dass er sich selbst als Kämpfer für Wissenschaftlichkeit sieht. Wie ich im Podcast ausgeführt habe, vermute ich, dass die Angst vor einer politischen Manipulation der biologischen Forschung, und vermutlich auch Ängste im Hinblick auf Homosexuelle, männliche Identität usw., seine Wahrnehmung trüben.

    Aber seine Darstellungen und Formulierungen sind derart unwissenschaftlich und unredlich, dass es keine Entschuldigung dafür gibt. Irgendwo gibt es eine Grenze zwischen zugespitzter, einseitiger und schlichtweg unredlicher Darstellung.

    • LV Says:

      ‚Bösartig‘ war auch eher bezogen auf seine Argumentation, nicht auf seinen Charakter. Immerhin sagt er ja ständig, dass er Frauen doch irgendwie mag, also kann er ja nicht so schlimm sein, oder ;-)? Ich war da eher auf der Ebene deines Arschloch-Vergleichs…

      Aber was mich wirklich verwirrt ist die Frage, ob er seine naturalistischen Fehlschlüsse auf so trivialen Ebenen wie rechtliche Gleichstellung vs. Regenwürmer nicht sieht. Er klingt wirklich so, als würde er das nicht verstehen. Und das wäre eben wirklich ein Armutszeugnis für jeden C4- (und auch W-sonstwas) Professor.

      Wenn er das aber versteht, dann läuft das hier wirklich analog zur rassistischen Abwertung von Menschen. ‚Neger‘ oder ‚Schlitzaugen‘ (oder Barbaren bei Aristoteles) sind ja u.a. deshalb ’natürliche Sklaven‘ in solchen Gedankengebäuden weil sie biologisch oder kulturell minderwertig sind. Selbst wenn Frauen (oder Schwuchteln) jetzt biologisch tatsächlich nur bessere Halbmenschen wären, dann würde daraus trotzdem noch nicht folgen, dass wir sie auch so behandeln sollten. Im Gegenteil, jede vernünftig-aufgeklärte Gesellschaftsordnung würde versuchen, diese biologischen Nachteile soweit wie möglich auszugleichen, genauso wie wir inzwischen ja auch Behinderte nicht mehr umbringen oder in Freakshows abschieben.

      Und dass er in seinem Buch irgendwas aus Physiognomien rauszulesen scheint, lässt auch nicht unbedingt Gutes vermuten. Man sieht ihn ja vorm geistigen Auge schon mit Leonardo di Caprio (in ‚Django Unchained‘) Phrenologie betreiben.

      Und ich glaube deine Romantikanalogie ist noch zu einfach. Es ist mehr so, dass Kutschera wirklich insuiniert, dass sich der ’normale Mann‘ im Prinzip ein Gewalttäter sein will bzw. sein sollte. Als normale Männer würden wir uns mehr oder weniger so verhalten, wie sich der durchschnittliche Moslem dem Verhüllungsgebot zufolge verhält, wenn er eine Frau ohne Schleier sieht. Dass wir es nicht tun, liegt im Prinzip nur daran, dass wir durch den Moneyismus gehirngewaschen wurden.

      Das ist eigentlich Sozialdarwinismus reinsten Wassers, nur halt übertragen auf Geschlechterrollen und -verhältnisse. Weil’s Leute gibt, die sich scheiße verhalten, ist Arschlochverhalten legitim. Und weil’s Schwächere gibt, haben die Stärkeren das Recht, sie auszubeuten, zu missbrauchen und schlecht zu behandeln.

    • Skydaddy Says:

      @LV (26. Juli 2017 um 00:59 ):

      Du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Dass Kutschera letztlich eine Art Sozialdarwinismus propagiert, war auch einer der Punkte, die ich aus Zeitgründen nicht mehr gebracht hatte. Auch Dein Beispiel mit der Verhüllung muslimischer Frauen wegen des männlichen Sexualtriebs. Mir scheint, nach Kutscheras Logik wäre tatsächlich die Frau mit dem kurzen Rock schuld und nicht so sehr der Vergewaltiger, analog zum Totschütteln des Babys.

  4. manglaubtesnicht Says:

    Hello liebe Ketzer,

    auch diese Folge hat mal wieder Spaß gemacht, insbesondere eure Annäherung an das Feld Gender-Theorie. Zu Christians Frage, warum man sich als Atheist mit diesen Themen beschäftigen kann/soll/darf: In einer besseren Welt müssten wir das sicherlich nicht: Gender-Mainstreaming würde aufgebracht, untersucht, diskutiert, und dann entweder übernommen oder auch nicht. In der real existierenden Welt jedoch hat die dominierende Weltreligion die Gender-Theorie als ein Hauptkampffeld ausgemacht und bringt das Thema immer wieder auf: „Ideologischer Kolonialismus“, „Zerstörung von Ehe und Familie“, sogar „Weltkrieg um die Ehe“, etc. Meines Erachtens soll hier den eigenen Anhängern suggeriert werden, dass sich die Kirchen in einer Art Kulturkrieg befinden, und dass die Anhänger sich deshalb auf gar keinen Fall gelangweit abwenden dürfen.

    Und das ist ein Grund, warum wir als Atheisten uns mit dem Thema beschäften müssen: Die Kirche bringt es immer wieder auf und benutzt es um den dräuenden Weltuntergang an die Wand zu malen — und ihre Anhänger aufzuhetzen. Als Atheisten müssen wir daher zumindest ungefähr wissen, was wirklich auf diesem Feld los ist, was die verteufelten Begriffe bedeuten und welche Ideen tastächlich vorgebracht werden.

    M.E. versucht die Kirche, insb. in Europa und Südamerika, diesen Kulturkrieg systematisch herbei zu reden um ihre Anhänger zu stärkerem kirchlichen und vor allem politischen Engagement zu treiben. In den USA verfolgen die Evangelikalen diese Strategie schließlich -aus ihrer Sicht- sehr erfolgreich.

    Zu Herrn Kutscheras Auslassungen: Ich halte die These für unhaltbar, dass er bloß sein Forschungsfeld verteidigen wolle. Kutscheras wählt seine Begriffe klar tendenziös und boshaft, er will schon durch seine Eingangsstatements möglichst viel Schaden anrichten. Das ist nicht mit irgendeiner Form von Wissenschaftlichkeit vereinbar. Dazu kommt noch, dass er Quellen ganz nach Gusto ignoriert, verdreht oder trotz Wissen um ihre -wie Nico sagte- Fischigkeit als letztgültig preist. Herr Kutschera will nicht überzeugen, er will überreden oder überrumpeln. Kutschera ist auf einem Kreuzzug.

    Und, ja, wir hatten in der Tat bei unserer Juli-Folge mit Verzögerungen beim Schnitt zu kämpfen. Gut beobachtet.

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