59.11 Harris, Harari, Hamed Abdel-Samad

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Duell der Geistesgrößen: Nico und Christian fetzen sich darüber, ob Yuval Noah Harari moralischer Relativist ist.

(Aufgenommen am 30.04.2017 mit Matthias, Christian, Nico und Philippe.)

Der Podcast kann hier abonniert werden, der Beitrag kann hier heruntergeladen oder direkt angehört werden:

Ein Live-Mitschnitt der kompletten Folge 59 ist unter http://mixlr.com/ketzerpodcast/showreel/ verfügbar. Oder hier.

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4 Antworten to “59.11 Harris, Harari, Hamed Abdel-Samad”

  1. Gou Says:

    Ich habe das Buch gelesen aber es hat rein garnichts mit euren Gespräch zu tun. Es ist echt schwer eurer Planlosigkeit über dieses Thema zu folgen.

  2. user unknown Says:

    Ein Bürger im Jahr 1000, der unsere Moral ablehnt – wäre der nicht (Zeitmaschine angenommen) durch Argumente und Fakten überzeugbar? Sieh her, mein Sohn, ich habe ihn nie geschlagen und heute ist er Pilot. Willst Du mal mitfliegen nach New York?

    Die Frage ist, ob man jmd. aus Jahr 1000 überzeugen kann selbstbestimmt über Moral nachzudenken, Moral überhaupt in Frage zu stellen. Der Beginn des Streites könnte sich schon als schwierig erweisen. Vielleicht muss der Ärmste erst zu seinem Stamm zurück, und es den Ältesten vortragen, dem Anführer und den Priestern.

    Ich meine aber, dass wir die Moral nicht willkürlich setzen können. Sie ergibt sich aus unserer Umwelt, aus unserer Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, mitzufühlen mit anderen. Wir sehen, wie der andere uns sieht. Und wir sehen uns so, als wären wir der Andere.

    Nachts, das Portemonaie verloren oder geklaut worden, die letzte S-Bahn geht, wir konnten kein Ticket erschnorren, es ist nass und kalt, wir sind allein. Dürfen wir schwarz mit der S-Bahn nach Hause fahren? Was würde der Kontrolleur sagen? Wie wird er unseren Fall sehen? Wie sehen wir seinen Fall? Er hat Vorschriften, wird vielleicht seinerseits kontrolliert. Ist es unser Risiko und jetzt müssen wir eben die Strafe zahlen – Pech gehabt?

    Wenn man sich ansieht, welch unterschiedliche Geschmäcker bei Nahrungsmitteln vorherrschen – Schokoeis, Vanilleeis, Zitrone, Erdbeer, Schokolade, Marzipan, Marmorkuchen, Schnitzel, Steak, Gulasch, Fisch, Wurst, Käse, Gemüse, Kartoffeln, Reis, Mais, Brot, Butter, Magarine, Quark, Yoghurt, Obst … – einerseits ein irrer Wildwuchs, aber zugrundeliegendes Gesetz: Kalorien, Vitamine – der Geschmack ist evolutionär angeschoben (süß und/oder fett) und Vorliebe für den Geschmack von Knollenblätterpilz konnte sich nicht gut vererben.

    Und wieso sollte es bei der Moral anders sein? Was am Menschen naturbedingt ist, war eine konstante Grenze, mit der man zurechtkommen musste. Der Fisch springt nicht von alleine in die Pfanne oder für Veganer: Das Brötchen nicht in den Ofen. Also muss man dafür arbeiten. Wer das arbeitsunfähige Kind aber verhungern lässt, der ist nach einer Generation weg vom Fenster. Oder wer quengelnde Kinder bestraft, in dem er sie am Felsen zerschmettert oder empfindlich auf Ungehorsam reagiert und vor den Stadttoren steinigen lässt.
    In einer Gemeinschaft, in der man gemeinsam arbeitsteilig an Zielen arbeitet braucht man auch etwas wie Vertrauen auf Kredit.

    Dazu tritt aber Wissen. Ist Homosexualität vielleicht eine Krankheit? Ist es vielleicht ansteckend? Die grundlegende Moral kann gleichbleiben, aber mit unterschiedlichem Wissenstand kommt man zu ganz anderen Ergebnissen.

    Die Gesellschaft und die Umwelt ändert sich aber auch permanent in Aspekten, die der Mensch selbst herstellt. Ein Volk von Jägern sagt vielleicht, jedem Jäger gehört, was er erbeutet und kennt keine Viehzucht. Trifft auf ein anderes Volk mit großer Rinderkoppel und erbeutet spielend 20 Rinder. Die Rinderzüchter meinen, das Rind gehöre dem, dem das Muttertier gehört, außer man verkauft es, dann gehört es dem Käufer.

    Wenn es eine Pille gibt und Präservative, mit denen ich verhüten kann, ist dann Sex außerhalb der Ehe vielleicht deshalb weniger ein Problem, weil der Ehemann dann nicht das Kind eines anderen ernähren muss, zumal die Ehefrau selbst arbeitet und bei einer Trennung, falls es doch dazu kommt, noch ein Sozialstaat vorhanden ist, der das Überleben des Kindes garantieren kann, wenn es doch zu einem kommt?

    Auch wenn der Staat gar nicht so viele Kinder braucht, weil man nicht mehr alle 10 Jahre Frankreich überfällt?

    Ich glaube, es gibt einerseits sehr wohl eine objektive Moral. Unter identischen Umständen würden wir immer wieder eine ähnliche Moral entwickeln.
    Und andererseits gibt es keine objektive Moral, weil die Entwicklungsrichtung in so viele Richtungen offen ist. Wir wissen nicht, wie das Leben in 100 Jahren sein wird, und können im Vorgriff auf diese Zeit nicht schon heute die Moral dafür entwickeln – andererseits müssen wir aber genau das tun. Wir sind nämlich zu blöd alle Komplikationen vorauszusehen und müssen daher Pioniere vorschicken, Avantgarden, die schon mal ausprobieren, wie es wäre.

    Gelingt es, das Klima zu bremsen? Technisch, oder mittels Selbstdisziplin oder mittels Dystopie? Muss erst der Kapitalismus weg oder das Patriarchat oder 90% der Anderen (Chinesen, Inder, Araber, …)? Sind kleine, bewaffnete Kommunen das Lebensmodell von morgen, weil alle große Infrastruktur zusammenbrechen wird?

    Nochmal in die Zeitmaschine: DIesmal fahren wir in die Antike und nehmen unsere Moral und unser Wissen dahin mit, allerdings nicht die Pille und nicht den Sozialstaat. Und dann versuchen wir da (wir können natürlich Latein) für unsere Moral zu werben. Ohne unsere Lebensumstände werden wir da nicht weit kommen.

    Deswegen kann man nicht einfach sagen unsere Moral heute sei besser als die der Antike. Sie ist für die heutige Zeit besser. Ein Skeptiker der Antike wird uns auch nicht glauben, wenn wir von Bakterien und Viren erzählen, solange wir dort kein Mikroskop bauen können. Vielleicht könntet Ihr das.

    Moralischer Punktsieger vom Diskussionsstil ist übrigens Christian. 🙂

    Hamed Abdel Samad ist mal bei der AfD aufgetreten und wird dafür von einigen Linken oder Linksextremen verteufelt, die jeden, der mit der AfD spricht, unterstellt, diese salonfähig mache. Dass man die Leute stigmatisieren soll um das 4. Reich zu verhindern.
    Wenn man die eigene Taktik absolut setzt und anderen aufzwingen will finde ich das sehr viel problematischer, als bei der AfD aufzutreten, rechten Medien ein Interview zu geben usw.

    Wohin das führt kann man bei den Fällen Sasour, Weinstein an der Evergreen University, Jordan Peterson (Vorsicht! Triggerwarning! Ein Christ!) sehen.

    Ich jedenfalls lasse mir von niemandem sagen, mit wem ich rede, wem ich zuhöre, mit wem ich streite. Vor allem ist ja nicht damit zu rechnen, dass die Idioten selbst drauf kommen, dass sie Idioten sind, wenn sie immer nur mit ihresgleichen reden.

  3. Daniel Says:

    Hallo liebe Ketzer,

    Ich fand das Homo Deus Buch von Harari sehr gut und würde mich über eine weitere Diskussion freuen!

    Daniel

    • Skydaddy Says:

      Also, ich habe mir, wie im Podcast angekündigt, das Gratis-Interview mit Harari bei audible runtergeladen, habe es aber nicht zuende gehört, weil ich es uninteressant fand.

      Damit will ich aber niemanden von Harari abhalten.

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