44.2 Robert Papes Studie zu Selbstmord-Terrorismus

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Die Ketzer fetzen sich über eine Studie von Robert Pape zu den Ursachen von Selbstmordattentaten.

(Aufgenommen mit Matthias, Christian, Nico und Philippe am 29.11.2015.)

Der Podcast kann hier abonniert werden, der Beitrag kann hier heruntergeladen oder direkt angehört werden:

Ein Live-Mitschnitt der kompletten Folge 44 ist unter http://mixlr.com/ketzerpodcast/showreel/ verfügbar. Oder hier.

Zur Ergänzung hier noch Robert Papes Vortrag zum Islamischen Staat:

Hier die Tabelle aus dem Buch „Dying to Win“ (2005) mit den Selbstmordkampagnen:

Robert Pape Table 2005

Hier die Tabelle aus Papes Artikel „The Strategic Logic of Suicide Terrorism“ (2003), in der die Ziele der Selbstmordkampagnen genannt werden:

Robert Pape Table 2003

Nico wie noch auf ein Pape-kritisches Paper hin. Die Kritik zielt offenbar darauf ab, dass der Umstand, dass alle Selbstmordkampagnen das „Homeland-Motiv“ haben, noch nichts darüber aussagt, wie stark z.B. eine Besatzung die Wahrscheinlichkeit von Selbstmordanschlägen erhöht. (So, wie z.B. die hypothetische Feststellung, dass alle Selbstmordattentäter regelmäßig Wasser getrunken haben, nichts darüber aussagt, in welchem Maße der Konsum von Wasser zu Selbstmordattentaten führt.) Dieser Punkt ist durchaus interessant – er scheint mir (Matthias) allerdings im selben Maße auch für die Feststellung zu gelten, dass (derzeit) alle Selbstmordattentäter islamistisch oder zumindest religiös sind.

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19 Antworten to “44.2 Robert Papes Studie zu Selbstmord-Terrorismus”

  1. Benjamin.B Says:

    Die Diskussion um die Selbstmordattentäter finde ich sehr…… schwierig. Menschen die in kauf genommen haben zu sterben bei Aktionen die den hinterbliebenen weiter gebracht haben gab es wohl schon immer.
    Mütter die ihre Kinder schützen wollten & Väter die ihre Familie retten wollten.
    Auch ist wohl klar das nicht jeder aus jeder Gruppe dazu bereit ist, bzw das kann, sich selbst zu opfern für andere.

    Ich glaube das es genau so viele gründe für ein Selbstmordattentat gibt wie es Selbstmordattentäter selbst gibt. Es gibt einen Überlebens sinn und die Aufgabe des Überlebens Sinnes wird etwas extrem persönliches sein und lässt sich nicht verallgemeinern. In der Geschichte wird man auch Mütter finden die ihr leben nicht für ihre Kinder einfach so hin geben und lieber selber überleben. Dazu werden diese Frauen noch Erklärungen finden warum es nur logisch war sich nicht vor den eigenen Nachwuchs zu opfern.

    Ein Teil wird religiös sein, ein teil wird lebensmüde sein, ein teil will ein Held werden, ein teil wird hoffen trotzdem zu überleben. und so weiter. Einer war bestimmt auch einfach nur dumm. Solls auch geben.

    Gruß Benjamin.

  2. Benjamin.B Says:

    Vielleicht lag ich Falsch aber bei mir ist diese Suicid Debatte ganz klar als gläubiges Problem und ganz klar als Islamistisch ausgelöstes Problem angekommen.

    Von meiner Perspektive her möchte ich in dieser Debatte das „Gläubige“ heraus rechnen und da rüber hinaus blicken.

    Da gibt es Menschen, die Menschen töten in dem sich sich selbst töten. warum ? was müsste passieren damit ich selbst dazu in der Lage wäre auch nur Ansatz weise ähnliche Wege zu gehen.

    Ich bin wie so oft schlecht mit quellen ausgerüstet oder weis was hinter jeden fav titel steckt um das richtige zu verlinken, Oft habe ich aber gelesen das es dem terroristen nicht darum ging seinem glauben nach zu gehen sondern eine rente zu ersprengen die den hinterbliebenen zu kommt, eine „rente“ die kindern den zu gang zu einer schule sicherte.

    ich behaupte jetzt einfach mal das ein teil des Terrors ein Symptom einer populistischen sozial politik ist. http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1970/1970-05-a-261.pdf

    • deradmiral Says:

      Interessant ist, dass in Papes Liste neben den Muslimen nur die tamilischen Rebellen als so genannte „säkulare“ Truppe auftaucht. Er blendet hierbei aus, dass die marxistische Gruppe hier auf einen religiösen Märtyrer-Begriff zurückgreift, den Schalk als Mischung von südindischer Kultur und importierten Christentum ansieht.

      Offenbar will Pape hier seine Anhänger absichtlich in die Irre führen, indem er religiöse Motivationen verschweigt.

      Ich hätte auch eine durch eine politische Religion (Marxismus) etablierten Selbstmordkult in Erwägung gezogen. Aber offenbar instrumentieren die tamilischen Tiger lieber die schon vorhandenen religiösen Konstrukte.

      Durch die selektive Auswahl der Form der Selbstaufopferung im (Bürger) Krieg und durch die überdehnte Verwendung des Besatzungsbegriffs, sowie der vollständigen Ignorierung der Selbstmordtätermotive ist Papes These nicht haltbar.

      • Skydaddy Says:

        Quelle? – Die englische Wikipedia schreibt zu den tamilischen Selbstmordattentätern:

        From ancient times, the Tamil civilization saw War as an honorable sacrifice and fallen heroes and kings were worshiped in the form of a Hero stone. Heroic martyrdom was glorified in ancient Tamil literature. The Tamil kings and warriors followed an honour code similar to that of Japanese Samurais and committed suicide to save the honor. The Black Tigers wing of the LTTE is said to reflect some of these elements of Tamil martial traditions including the practice of the worship of fallen heroes (Maaveerar Naal) and martial martyrdom.

        Darüber hinaus ist bei dem Tamilentigern das Homeland-Merkmal klar erkennbar. Um Pape zu widerlegen, wäre es hilfreich, auf Kampagnen zu verweisen, wo das keine Rolle spielt.

  3. deradmiral Says:

    Ich habe hier zwei Quellen, die die tamilischen Selbstmordkrieger als religiös bezeichnen:

    http://www.politicsandreligionjournal.com/images/pdf_files/srpski/godina1_broj2/Shanthikumar_Hettiarachchi.pdf

    http://tamilnation.co/ideology/schalk04.htm

    Nur Pape behauptet, dass diese Anschläge „säkular“ wären. Hat er Quellen für seine These?

    • Skydaddy Says:

      Vielen Dank für die Quellenangaben. Aber hast Du eigentlich auch gelesen, was da drin steht? Schalk argumentiert ausdrücklich, dass die Tamilentiger säkular sind, und Hettiarachchi hebt dies noch einmal ausdrücklich hervor. Zudem verweist PAPE in“Dying to Win“ auf mehrere Schalk-Artikel – darunter auch den von Dir verlinkten.

      Deine Behauptung, nur Pape behaupte, die Anschläge der Tamilentiger seien säkular, wird durch Deine eigene Quelle (Hettiarachchi) widerlegt:

      »Roberts identifies a gross generalization both by the media and the academia to portray Tigers as secularists contrasting them with Jihadists whose moorings are Islamic.«

      Der zweite verlinkte Artkel liest sich weitgehend wie eine Wiederholung von Papes Thesen – inkl. Durkheims Überlegungen zum „altruistischen Suizid“ –, bezogen auf die Tamilentiger. Nur einige der zahlreichen Beispiele:

      »I specifically discuss in this paper, Durkheim’s theory of altruistic suicide which is used to interpret LTTE suicide strikes as martyrdom, and therefore an act of altruism and self sacrifice for the sake of freedom and self rule.«

      Das ist Papes These, und offenbar ist er damit nicht allein.

      »The strikers’ lives are valued so much by the political protagonists and its propaganda that they are made to believe that the precious life they hold, must be given up in order to fulfill the higher cause of creating a state and the unification of their nation.«

      »Tamil Tigers believe that their special suicide squad is key factor in the creation of an independent state for the 3.2 million ethnic Tamil minority.«

      »The Sanskrit word tayagi (one who abandons life) becomes tayaki in Tamil is distinctly different to the Judeo Christian concept of martyrdom. On the contrary, Peter Schalk is of the view that the LTTE ‘martyr’ has chosen neither submission nor redemption for oneself in the act of martyrdom but ready to get killed in the act of killing so that some others may be liberated.«

      Nun zu den einzigen Passagen, die sich „religiös“ deuten lassen. Schalk meint zum Schluss, trotz aller Säkularität könne die Führung der Tamilentiger nicht auf religiöse Wortwahl verzichten:

      »Although the LTTE has generated new rituals, it still has to give them meaning with a traditional religious language. In a speech made for Great Heroes‘ Day in 1991, Veluppillai Pirapakaran compared the heroes to those who carry a cross. We find then that the language of the LTTE, especially of its leader, is influenced by religious terms, more specifically by Hindu and Christian terms. The LTTE is aware that there is nothing like religion in eliminating the experience of contingency about a projected aim.«

      Das macht die Tamilentiger aber m.E. – bei Berücksichtigung alles Anderen – nicht religiös.

      Hettiarachchi sieht Parallelen („Nuancen“) zum Christentum:

      »The abandonment (tayakam) of a Black Tiger life, for the LTTE cause is not suicide, but a gift of oneself which has Christian nuances.«

      Dass man solche Parallelen sehen kann, macht die Tamilentiger aber auch nicht religiös.

      Des Weiteren spekuliert Hettiarachchi (bzw. Roberts, auf den er sich bezieht), dass die Verherrlichung der tamilischen Selbstmordattentäter mit traditionellen tamilischen (hinduistischen?) und christlichen Motiven „resonieren“ könne:

      »However it must be noted that LTTE on their part fail to obliterate the centuries old psychosocial phenomenon of religiosity, embedded in the Tamil folk psyche with and beyond the Saivite expression of the Hindu worldview (Weltanschaung). This seemingly very ‘secular’ project if enhanced and portrayed as martyrdom through the act of suicide or act of ‘gifting’ in the LTTE version of mavirar (great hero) or Schalk’s interpretation as tiyaki, in my view, perpetuate a classical combination of ‘Hindu and Catholic folk religiosity. In this sense Roberts’ thesis is pragmatic and realistic when he observes that the suicide striker burial rituals and their annual commemorations as having religious language and symbolism.«

      Das läuft letztlich darauf hinaus, dass man Parallenen sieht zwischen den tamilischen und christlichen „Märytrern“. Diese Parallelen wird man bei Selbstmordattentaten (jedenfalls bei dem „altruistischen“ Motiv) IMMER sehen können, das macht die Tamilentiger nicht religiös. Auch der Umstand, dass die Bevölkerung die „Märtyrerschaft“ der Selbstmordattentäter im Lichte ihrer jeweils eigenen Religion – sei es nun Hinduismus, Christentum oder Islam – deutet, macht die Attentate nicht religiös. Und selbst Hettiarachchi scheint diese Parallenen nur auf die (nicht-selbstmordende) Bevölkerung zu beziehen, nicht auf die Attentäter selbst:

      »This may not be the perception of a Black tiger who both under voluntary and persuasive methods, become a hero appeasing the Tamil nationalist psyche, desiring for separatism on ethnic lines.«

      • deradmiral Says:

        Bei den tamilischen Tigern lese ich aus den Quellen etwas anderes heraus – aber wie Gesagt Nebenkriegsschauplatz.

        Korrelationskoeffizient!!!!!!!!!!!!! Wo?

  4. deradmiral Says:

    Im Übrigen zeigt sich, dass Pape keine Ahnung davon hat, wie er seine These belegen kann. (ER ist in der Bringschuld).

    Es ist Standard, dass man für eine Korrelation den Korrelationskoeffizient berechnet. Wir haben hier zwei Parameter: Einsatz von Selbstmordkriegern und Homeland-Charakter. Seine Behauptung ist, dass diese stark korreliert sind. Jetzt müsste er alle Kriege durchgehen (oder wenigstens die der letzten paar Jahrzehnte) und zeigen, dass eine positive Korrelation vorhanden ist, indem er diesen Koeffizienten berechnet.

    Seine Auswahl beinhaltet nur Kriege MIT Selbstmordattentätern und Homeland-Charakter.

    Diese Liste beinhaltet nicht alle kriegerischen Auseinandersetzungen mit Selbstmordattentätern. Wo finde ich denn den Anschlag auf das World-Trade-Center? Wo sind die Kamikaze-Attacken der Japaner im 2. Weltkrieg. Beide Kampagnen hatten keinen Homeland-Charakter (Japan war nicht besetzt. Mohammad Atta als Kopf der Gruppe lebte in Hamburg und stammte aus Ägypten).

    Im selben Krieg, in welchen die Japaner eine große Zahl von Fliegern erfolgreich zu Selbstmordfliegern ausbildeten, hatten die Franzosen mit der Resistance (mit sehr starken Homeland-Charakter) auf die Verwendung von Selbstmördern so weit mir bekannt verzichtet.

    Diese drei Beispiele wären aber nur drei Punkte in einem Diagramm, das Hunderte von Punkten beinhalten müsste, um die Aussage von Pape zu belegen oder zu widerlegen. Es reicht nicht, um zu zeigen, dass eine Aussage einer Korrelation von Eigenschaften A und B wahr ist, nur die Beispiele zu sammeln, in denen A und B gilt.

    Ein Beispiel: Ich behaupte alle reichen Menschen sind schön: Beispiele: Paris Hilton, Brad Pitt, Howard Hughes und Angelina Jolie. Zack! Ich habe recht.

    Warren Buffet oder ein sudanesisches Straßenmädchen kommt in dieser Aufstellung nicht vor! (genauso wenig wie die vielen häßlichen armen Menschen, die meine These stützen würden).

    Ich könnte meine These beweisen, in dem ich eine unabhängige (oder zufällige) Auswahl von Menschen nach Schönheit und Reichtum klassifiziere und dann den Korrelationskoeffizient berechne.

    • Skydaddy Says:

      Pape wählt keineswegs nur Kriege mit Homeland-Charakter aus. Papes Grundgesamtheit sind ALLE Selbstmordattentate seit 1980. Ein Teil davon steht nicht im Zusammenhang mit Besatzung. Dieser Anteil ist aber so gering, dass er vernachlässigbar ist. (Ich meine ca. 5%.) Das erscheint auch pausibel, weil systematisch orchestrierte Selbstmordkampagnen naturgemäß viel mehr Attentate produzieren als ein paar „versprengte“ Irre.

      • deradmiral Says:

        Was sagst Du zum fehlenden Beleg der Korrelation? Das ist mein Hauptkritikpunkt. Die tamilischen Rebellen kannst Du behalten! Die Diskussion über die tamilischen Rebellen ist ein absoluter Nebenkriegsschauplatz, in welchen ich mich nicht hineinziehen lassen möchte (insbesondere haben wir drei (Pape eingeschlossen) da keine Ahnung).

        Wo ist der Korrelationskoeffizient?

      • Skydaddy Says:

        Pape testet seine Theorie anhand aller im weitesten Sinne „demokratisch (d.h. durch eine Demokratie) besetzten“ Territorien, wobei er sich im Wesentlichen bei einer Datenbank „Minorities at risk“ bedient, die seine unabhängigen Variablen „Rebellion“ und „religiöse Unterschiede“ bereits enthält. Die großzügige Interpretation von „Demokratie“ und „Besatzung“ stellt sicher, dass das Ergebnis nicht durch eine zu geringe Auswahl produziert wird.

        Seiner Theorie zufolge braucht es für die Herausbildung von Selbstmordkampagnen zum einen einen religiösen Unterschied zwischen Besatzern und Besetzten und zum anderen eine bestehende bewaffnete Rebellion gegen die Besatzer. (Das Kriterium der bewaffneten Rebellion scheint mir auch scharf genug zu sein, um willkürliche, zu weitgehende Interpretationen von „Besatzung“ auszuschließen.)

        Von den im Zeitraum 1980-2003 infrage kommenden 58 Konstellationen sagt seine Theorie das Ergebnis in 49 Fällen korrekt voraus – die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Zufall ist, liegt Pape zufolge bei <0.001, also kleiner als 1 zu tausend. (Dass die Japaner nicht vorkommen liegt daran, dass Kamikaze-Flieger keine Terroristen sind. Der heutige Selbstmord-Terrorismus kam erst in den 1980er Jahren auf.)

        Der größte Teil sind dabei Fälle, wo NICHT beide Kriterien (religiöser Unterschied und Rebellion) erfüllt sind. Von den 14 Fällen, wo beide Kriterien erfüllt sind, sagt Papes Theorie 7 korrekt vorher – nämlich die 7 Fälle, in denen es tatsächlich zu Selbstmordkampagnen gekommen ist.

        Führt man allerdings ein weiteres Kriterium ein – nämlich, ob die Rebellen auch ohne Selbstmordattentate Zugeständnisse erhalten haben, und sagt man die Selbstmordattentate nur dann voraus, wenn es zuvor keine Zugeständnisse gegeben hat, werden ALLE der 14 Fälle korrekt vorhergesagt, bei denen die beiden ersten Kriterien erfüllt sind, und 56 aller 58 Fälle. Also noch einmal eine erhebliche Steigerung der Zuverlässigkeit. (Die zwei verbleibenden falschen Voraussagen betreffen je eine Konstellation, wo es vorher keine Rebellion gegeben hat, und eine, wo es keinen religiösen Unterschied gibt – und es offenbar dennoch Selbstmordattentate gegeben hat.)

        Pape erläutert dies im Kapitel "Testing the Theory" in seinem Buch "Dying to Win", und diese Passage ist bei Google Books fast komplett einsehbar, ab S. 96.

        Wo Du den Anschlag von 11. September 2001 findest? In der zweiten Tabelle, die ich oben gepostet habe, in Kampagne 12, Al Quaeda, mit dem Ziel, die USA von der Saudischen Halbinsel zu vertreiben. Die einzige Kampagne mit über 3.000 Opfern. Was hier zählt, ist die Motivation der Organisation, nicht, wo die Attentäter gelebt haben.

        Und was die Ahnung von den Tamilentigern angeht: Bis zum Ende des Konflikts haben sich meine Frau und mein Schwiegervater (beide tamilischer Abstammung, allerdings aus Tamil Nadu in Südindien, nicht Sri Lanka) sehr dafür interessiert, die haben sich auf einschlägigen Internetseiten auch immer die Ansprachen von dem Anführer zu den Heldengedenktagen angesehen. Und das sind beide keine Hindu-Fundamentalisten. Deren Interesse galt allein dem Kampf für die „tamilische Sache“. Ich habe mich damit vor einigen Jahren auch mal näher befasst, eine religiöse Motivation ist mir nicht aufgefallen, und das wäre sie mir sicher, wenn das irgendwo aufgetaucht wäre.

      • Skydaddy Says:

        Ich sehe gerade noch eine andere Korrelation in „Dying to Win“, im Kapitel „American Military Presence vs. Islamic Fundamentalism“ (als Predictor für Selbstmordattentate):

        »By contrast, the presence of American combat operations matters substantially. As Table 14 shows, al-Qaeda suicide terrorists are ten times more likely to come from a Sunni country with American military presence than from another Sunni country. These odds are far better than a coin flip,
        statistically significant at the standard benchmark of .05. This means that the chances that the presence of American combat troops does not increase the risk of someone from that country becoming an al-Qaeda suicide terrorist are less than 5 in 100. Even if the effect of Salafi-influenced populations on al-Qaeda suicide terrorism were assumed to be significant, American military presence would remain five times as powerful as a predictor of al-Qaeda suicide terrorism.«

  5. deradmiral Says:

    Pape argumentiert von seiner beschränkten Auswahl. Die Schlüsse, die er sammelt kann ein Fall von „Overfitting“ sein. Die Wahrscheinlichkeitsannahmen und der Vergleich mit einem zufällig Würfelwurf ist sehr laienhaft. Er verwendet keine statistischen Standardmethoden und wirft mit Wahrscheinlichkeiten herum, die er sich aus dem Arsch zieht.

    Ich sage nur Korrelationskoeffizient. Vielleicht sollte sich mal ein Statistiker sich diese Arbeit als Negativbeispiel genauer anschauen.

    Dass Pape die Einbildung der Täter (das Gefühl der Besetzung) mit der Realität verwechselt (keine Besetzung), ist der Moment, wo ich diese Diskussion verlasse.

    Wenn Du diesen Fehlschluss nicht erkennst, dann kommen wir nicht weiter. Offenbar willst Du an diese These glauben. Viel Spaß damit.

    Ich finde sie unbegründet. Schade, dass Du meine Argumente nicht verstehen willst.

    • deradmiral Says:

      Tatsächlich gibt es Kritik an Papes Methodik. Siehe zum Beispiel hier
      https://scholar.princeton.edu/sites/default/files/rejoinder3.pdf
      (Siehe auch den Wkipedia-Artikel zu „Dying To Win“

      • Skydaddy Says:

        Aha, dann wollen wir mal sehen. In dem von Dir verlinkten Artikel wird auf zwei frühere Artikel Bezug genommen, und zwar diese hier:

        Design, Inference, and the Strategic Logic of Suicide Terrorism (Ashworth et al.)

        Methods and Findings in the Study of Suicide Terrorism (Papes Entgegnung)

        Ich kann den Vorwurf des Sampling Errors in diesem Fall nicht direkt nachvollziehen, und zwar aus folgendem Grund: Pape hat ALLE Selbstmordattentate in seiner Datenbank. Das ist keine Stichprobe (sample), sondern die Grundgesamtheit. Und weil darin alle Selbstmordattentate enthalten sind, wissen wir, dass, wenn er unbesetzte Gebiete hinzunimmt, dort keine weiteren Selbstmordattentate „produziert“ werden. Tatsächlich würde die Zuverlässigkeit von Papes Vorhersagen durch eine Erweiterung der einbezogenen Gebiete/Fälle nur ZUNEHMEN, weil er für alle unbesetzten Gebiete mit 100%iger Sicherheit (in Bezug auf die bisherigen Daten) vorhersagen kann, dass es dort zu keinen Selbstmordkampagnen kommt. Dadurch würde sich sich seine durchschnittliche Trefferquote erhöhen.

        Ich will mir aber gerne die Artikel durchlesen.

    • Skydaddy Says:

      Eine Frage habe ich allerdings noch:

      Wenn ich Dich richtig verstanden habe, hast Du (mit Nico) im Podcast die Position vertreten, die Selbstmordattentäter seien religiös motiviert.

      Begehst Du dann nicht denselben Fehler, den Du Pape vorwirfst? Du schaust Dir NUR die Selbstmordattentate an und scheinst aus der (vermeintlichen) Beobachtung, dass alle religiös motiviert erscheinen, auf eine religiöse Motivation zu schließen. Aber müsstest Du dann nicht auch alle anderen religiös oder islamisch „motivierten“ Menschen mit einbeziehen? Wie sieht Deine „Korrelation“ von Religiosität zu Selbstmordattentaten aus?

      In der ersten obigen Tabelle sind 315 Selbstmordattentate aufgelistet. Lass mal von 500 bis heute ausgehen, da sind ja offenbar auch Attentate mit mehreren Selbstmordattentätern drin wie 9/11. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, mit welcher religiösen Population eine solche Zahl von Attentätern signifikant korrelieren könnte.

      • deradmiral Says:

        Mein Punkt war differenzierter. Ich habe unterschieden zwischen der Motivation der Organisatoren und Auftraggeber der Selbstmordattentäter (der Führungsriege) und der Motivation der Täter.

        Diese können abweichen oder übereinstimmen. Sie sind identisch, wenn wir es mit einer Terrorzelle wie um Muhammad Atta zu tun haben, wo der Führer sich selbst opfert. Oder sie sind sogar in der Führungsriege verschieden, wie im Fall des islamischen Staates, wo sich dort ehemalige Generäle von Saddam Hussein und der predigende Kalif um Baghdad gemeinsam planen.

        Pape wirft das in einen Topf und bietet eine simplizistische Erklärung für das Selbstmordattentate. Ich möchte das differenzieren.

        Leider haben wir aber das Niveau in der Diskussion nicht erreicht.

        Ich möchte auch Papes Engagement im Sammeln all dieser Selbstmordattentate nicht leugnen. Er kennt sich da sicher besser aus als viele anderen. Aber bei der Interpretation von Daten macht er Anfängerfehler.

        Mir sind diese Fehler aufgefallen, bevor ich die zitierten Arbeiten gefunden habe. Nico hat sie in der Diskussion auch schon angesprochen. Da muss also etwas dran sein, wenn mehrere Leute unabhängig von einander das ansprechen.

  6. deradmiral Says:

    ich möchte Dir (und damit Pape) sogar auf den halben Weg entgegen kommen und zugestehen, dass Pape möglicherweise die Motivation der Strategen und Planer, die in ihre Kampfhandlungen Selbstmordattentate als Mittel einsetzen, beschreiben kann. (Wenn er sauberer arbeiten würde)

    Aber bei der Motivation der einzelnen Person ist er meiner Meinung nach auf dem Holzweg.

    Offenbar ist es möglich, dass man Menschen so umprogrammiert, dass sie Selbstmordattentate begehen. Aber da gibt es kulturell große Unterschiede. Und es gibt große Unterschiede in der Ausführung: Wenn jemand eine Bombe umgeschnallt bekommt mit der Anweisung sich dort und dort zu begeben – und das geschieht unter Beobachtung, wobei die Bombe von den Auftraggebern über Funk ausgelöst wird – dann ist der Attentäter eher ein zusätzliches Opfer des Anschlags.

    Wenn aber jemand sich die Bombe selbst umschnallt und sie dann auslöst. Oder jemand schießend in den Kugelhagel der Polizei rennt, dann haben wir einen klassischen Selbstmordattentäter. Es liegt in der Natur der Sache, dass dies selten genau unterschieden wird oder unterscheidbar ist.

    Mich würde interessieren, welche Knöpfe man bei Menschen drücken muss, um so etwas in Gang zu setzen. Und da erscheint mir die Antwort, dass dies hauptsächlich durch die Besetzung eines Landes ausgelöst wird als absurd. Denn kulturelle Einflüsse erscheinen mir hier weitaus wichtiger.

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