Darf Satire wirklich alles?

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MIZ 2/2015

Die MIZ (Materialien und Informationen zur Zeit) ist seit über 40 Jahren das politische Magazin für Konfessionslose und AtheistInnen, FreidenkerInnen, HumanistInnen und SkeptikerInnen, Ungläubige aller Art. In der aktuellen Ausgabe beschäftigt sich Christoph Lammers mit den Reaktionen auf das Charlie-Hebdo-Attentat. Darf Satire wirklich alles?

Lammers kommt zu dem Schluss:

Nicht Charlie Hebdo hat den Rubikon der politischen Korrektheit überschritten, sondern diejenigen, die – aus Angst vor oder aus Rücksicht auf religiös-identitäre Überzeugungen – konservativen Kräften den Weg ebnen, die in unserer Gesellschaft an Einfluss gewinnen. Problematisch ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil diese schrifttreuen Gläubigen davon überzeugt sind, dass ihre Vorstellungen nicht nur für ihre Anhänger_innen gelten, sondern das gesellschaftliche Leben aller Menschen bestimmen sollen. Durch Zugeständnisse an diese Kräfte wird der Weg in eine Parallelgesellschaft geebnet, an deren Ende nicht der gegenseitige Respekt der Individuen und die Akzeptanz demokratisch erkämpfter Werte wie Freiheit und Gleichheit stehen, sondern die Unterwerfung des Individuums unter religiös-archaische Vorstel­lungen, die man in Europa bereits überwunden geglaubt hatte. Die Satire ist daher eines der Instrumente, das zeigt auch die Geschichte, dem Ziel einer aufgeklärten Gesellschaft näher zu kommen. In diesem Sinne, Geschichte wird gemacht!

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Eine Antwort to “Darf Satire wirklich alles?”

  1. Noncredist Says:

    Es zu verstehen ist wirklich nicht so schwer. Keine Satire darf (Minderheiten) verfolgen/hetzen. Dies darf auch kein anderer öffentlicher Kommentar. Weder von einem Volksvertreter, noch von einer moraltheologisch-geführten Kirche.

    Eine Karikatur oder Satire definiert sich jedoch nicht durch die Verfolgung oder ein Aufruf zur Hetze von Minderheiten, sondern durch eine überspitzte Darstellung von Begebenheiten. Egal ob sie durch eine religiöse Minderheit oder durch eine kapitalistische Mehrheit ausgeübt wird.

    Natürlich darf eine Satire, ein Kommentar oder ein Film so etwas! Für diese Freiheit (der künstlerischen Darstellung einer Meinung) mussten viele Menschen ihr Leben lassen. Welchen vernünftigen Grund (ausser der subjektiven Meinung/Gefühl) sollte man anbringen, um spezielle Menschen mit einem gewissen Hintergrund davon freizustellen, wärend andere (z.Bsp. Politiker, Manager oder Nazis) die „volle Härte“ der Satire spüren dürfen?

    Wer mit der Freiheit und der Gleichheit leben kann, der kann auch solche „übertriebene Darstellungen einer Meinung“ – solange sie einem nicht in dessen Freiheiten beraubt – erdulden. Wer der Meinung ist, Götter oder Propheten hätten eine andere Meinung dazu, der kann die dafür zuständigen Propheten oder Götter bitten, ihre eigene Stellung dazu zu beziehen. Wenn sie es nicht können, dürfen sie dazu eine Person auswählen und ihnen die Vormundschaft erteilen. Natürlich nur eine juristisch anerkannte schriftliche – mit Unterschrift. Lippenbekenntnisse und „geglaubte Äußerungen“ werden vom Gesetzgeber ignoriert und im schlimmsten Fall als Urkundenfälschung und Täuschung falscher Tatsachen verfolgt 😉

    Was mit Charlie Hebdo passiert ist, war keine „Gerechtigkeit“ und kein Ausführen eines etwaigen göttlichen Willen. Es war schlicht religiotischer Aktivismus. So wie damals die Religiösen felsenfest überzeugt waren, dass „Hexen“ verfolgt und verbrannt gehören, so haben auch hier „religiös Überzeugte“ (auch als „wahre Gläubige“ bezeichnet) ihren Aktivismus zur Schau gestellt. Es war eine Verfolgung und Vernichtung einer (Meinungs-)Minderheit. Es war weder die Satire an sich, noch der Zeichenstift, was gesetzeswidrig oder gar gesellschaftsfeindlich agierte, sondern diese Menschen, die fundamental überzeugt von ihrem göttlichen Auftrag waren, einen Propheten vor ungeliebter Meinung zu beschützen. Und wenn es den Tod dieser Personen bedeutet!

    Wessen „geistiges Kind“ waren sie bloß? Wer besaß ein solch menschenfeindliches Weltbild und Ideologie, dass sie dies den Menschen als „von Gott erlaubt und gewünscht“ eintrichtete? Weshalb sind ihnen die „von Menschen gemachten“ Menschenrechte und Freiheiten so minderwertig, wärend die „von Gott diktierten“ Handlungsanweisungen und Beschränkungen unreflektiert ausgeübt werden? Wer bringt ihnen bei, dass „Menschenrechte“ stets unterhalb der „Gottesrechte“ anzusiedeln sei, so wahr ihnen Gott bei diesen Taten helfe?

    Religion poisons everything …
    Ach Hitch, ich vermisse dich so sehr.

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