Papst Franziskus: Die kritische Biografie von Hubertus Mynarek

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Die Begeisterung für Papst Franziskus scheint kaum Grenzen zu kennen. Seine im Vergleich zu seinem Vorgänger ungezwungene und sympathische Art nötigt selbst Kirchenfernen eine gewisse Bewunderung ab. Und Gläubige wollen in ihm einen Reformator oder gar einen religiösen Revolutionär sehen. Wo bleiben da die kritischen Stimmen?

Hubertus Mynarek bietet mit seinem Buch eine echte Alternative zu den zahlreichen unkritischen Papstbüchern. Ausgehend vom Werdegang Franziskus’ fragt Mynarek: Wer ist und woher kommt dieser Papst? Was denkt er und was ist von ihm zu erwarten? Und finden sich bei ihm wirklich Ansätze zu einer Veränderung? Oder ist dieser Papst doch nur ein Kind der Medien und von Wunschbildern, die Gläubige nach der eher spröden Amtszeit von Benedikt XVI. an ihn herantragen? Mynareks Antworten auf diese Fragen machen sein Buch über Franziskus zu einer spannenden, ehrlichen und echten Alternative zu den vielen Lobeshymnen auf diesen Papst.

Das Buch beim Tectum-Verlag mit (vielversprechender) Leseprobe.

Hier mit freundlicher Genehmigung die Amazon-Rezension von Dr. Wolfgang Klosterhalfen, dem Autor der Reimbibel:

Noch eine Papst-Entzauberung

Dieses Buch hat mich in meinem Eindruck bestärkt, dass Jorge Mario Bergoglio ein erzkonservativer, theologisch, politisch und intellektuell unbedeutender Papst ist, der nach anfangs sympathischem Auftreten zum Schießen von Eigentoren übergegangen ist, und unter dessen weißer Soutane sich der eine oder andere Fleck befinden könnte.

Dass ich das Werk nur in kleinen Happen lesen konnte, liegt nicht am kompetenten Autor, sondern an meiner Abneigung, mich mit all dem Unsinn, um den es hier geht, überhaupt noch zu beschäftigen. Es wird aber wohl so schnell keine bessere Biografie geben. Und der aktuell >größte Scheinheilige< (Mynarek) ist ja immerhin der Hirte von 1.2 Milliarden katholischen Schäfchen.

Als Papst ist man zwangsläufig im Show-Business tätig, ob man das mag (wie Franziskus) oder nicht (wie Benedikt XVI.). Zur Show des Franziskus gehört es, locker, bescheiden und volksnah aufzutreten. Mynarek hält das nicht für echt, wobei sein zentraler Vorwurf im Grunde ist, Fr. sei Jesuit. Und Jesuiten seien von Haus aus berechnend. Das Verhalten von Fr. sei vor dem Hintergrund seiner jesuitischen Sozialisation zu verstehen. M. mag mit seinen Behauptungen Recht haben, aber Teil 1 liefert erst mal eine eher indirekte Kritik an Fr., z.B. wenn es um das Liebesleben der betagten Schriftstellerin Luise Rinser geht.

Teil 2 widmet sich den religiösen Vorstellungen des neuen Papstes, die offensichtlich sehr schlicht sind.

Am besten gefällt mir Teil 3, in dem nach dem konkreten Tun und Unterlassen von Fr. gefragt und eine Sammlung von wohl eher unüberlegten Aussprüchen präsentiert und bewertet wird.

Zwei Problembereiche interessieren mich bei Fr. besonders: Sein Verhalten während der Militärdiktatur und in Hinblick auf sexuellen Missbrauch in Argentinien. Ersteres wird von M. angesprochen, aber es gibt einen wichtigen Punkt, den ich vermisst habe.

Bergoglio hat sich gemeinsam mit dem Erzbischof von Buenos Aires erfolgreich für die Freilassung von General Videla und anderen Junta-Generälen eingesetzt. (Quelle: Andreas Englisch) Videla kam nach nur fünf Jahren Gefängnis vorübergehend frei. (Später soll Fr. in Rom für eine Delegation von Müttern von Verschwundenen (es gibt etwa 30.000 Vermisste) laut M. nur wenig Zeit gehabt haben.)

Die katholische Kirche hat anscheinend in Argentinien noch weniger als in Deutschland zur Aufklärung von Missbrauch und Missbrauchvertuschung beigetragen. Kardinal Bergoglio hat Ende 2002 als Vizepräsident des Exekutivkomitees der argentinischen Bischofskonferenz im Zusammenhang mit dem Rücktritt des Erzbischofs (!) Storni und der Verhaftung des prominenten Priesters Julio Grassi erklärt, es gäbe eine Kampagne, um das Ansehen der Kirche zu schädigen. Inzwischen sind beide Priester wegen Missbrauchs zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. In dem Wikipedia-Artikel zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche werden im Abschnitt Argentinien nur diese zwei Fälle erwähnt. Von Bemühungen Erzbischof bzw. Kardinal Bergoglios um Aufklärung in seiner Heimat habe ich noch nichts gehört.

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2 Antworten to “Papst Franziskus: Die kritische Biografie von Hubertus Mynarek”

  1. Papst Franziskus – Die kritische Biografie « Omnium Gatherum Says:

    […] Noch eine Papst-Entzauberung · Wolfgang Klosterhalfen […]

  2. Norbert Scholl Says:

    Was hier auf 334 Seiten als „Die (!) kritische Biografie“ ausgebreitet wird, ist keine „echte Alternative zu den zahlreichen unkritischen Papstbüchern“, wie es der Klappentext vollmundig ankündigt, sondern ein aus allen möglichen und unmöglichen Winkeln zusammengesuchtes Sammelsurium von zum Teil höchst unkritischen und an den Haaren herbeigezogenen Anmerkungen zu Papst Franziskus. So wirft Mynarek dem Papst vor, er habe das „naivste, fundamentalistischste, unkritischste, von jeglichem Zweifel unberührteste Gottes , Jesus , Marien , Kirchen und Teufelsbild, das man sich nur denken kann“ (101), und fragt sich, ob Bergoglio als Theologiestudent „bei den Vorlesungen im Fach Dogmengeschichte geschlafen“ habe (105). Mynarek sieht in Franziskus einen „Märchenerzähler und Mythenrezitierer“ (102), einen „Heuchler“ (262), „Praktiker, Politiker, Religionsmanager und Macher“ (373), der sich „gesandt“ fühlt, „mit eiserner Disziplin … die ganze Kirche zu erneuern“ (69). Darum habe Bergoglio den „Entschluss“ gefasst, „Papst zu werden“ und den päpstlichen „Thron“ zu besteigen (109).
    Mynarek missbraucht seine Papstbiografie, um auf 53 Seiten (27-80) „Geist und Ungeist der Jesuiten“ (vor allem Ungeist) genüsslich auszubreiten – Ignatius von Loyola ein „geistlicher Diktator“ (58) und „Psychopath“ (65); die jesuitischen Exerzitien eine „Gehirnwäsche“ (75); das Noviziat eine „Zwangsanstalt“ (57); die Jesuiten werden mit der „SS“ verglichen (53); „Bergoglio/Franziskus das Produkt einer überlangen Indoktrinations und Dressurprozedur in den jesuitischen Ausbildungsinstituten“ (79). Lang und breit werden die persönlichen negativen Erfahrungen Mynareks mit einem Jesuitenpater geschildert (36-43).
    Auf den Seiten 101-192 attackiert Mynarek Theologie, Mariologie, Anthropologie und Ekklesiologie im Allgemeinen und die des Papstes im Besonderen. Er wärmt die uralte Legende von der unehelichen Geburt Jesu und seines angeblichen Erzeugers, des römischen Soldaten Panthera, auf (138-146). Er behauptet: „Die außermenschliche Schöpfung, die ganze mannigfaltige Organismenwelt sind für Bergoglio/Franziskus gleichgültig, irrelevant, bedeutungslos, er kümmert sich nicht um sie. Seine Theologie ist naturlos und tierfremd“ (151). Freilich wurde kurz danach diese kühne Unterstellung durch Papst Franziskus selbst krachend ad absurdum geführt mit seiner Enzyklika „Laudato si‘“ vom 24.5.2015, mit der er versuchte, auf die UN Klimakonferenz in Paris 2015 Einfluss zu nehmen.
    Auch die Vorliebe des Bergoglio-Papstes zu den Armen schmeckt Mynarek nicht. Franziskus sei „kein Mann der Spontaneität, der unwillkürlich aus der Stimmung einer Augenblickssituation heraus etwas Sympathisches sagt oder tut, sondern ein Mensch des Kalküls, der nüchtern-rationalen Berechnung seiner Wirkung auf die Menge“ (193). Seitenlang lässt der sich kritisch gerierende Biograf über die „Versäumnisse (des Papstes) bei der praktischen Umsetzung seiner Armutstheologie“ aus (200-236) – so über die Nicht Abschaffung der deutschen Kirchensteuer (200-207) und über – wie könnte es anders sein! – den „hochmütigen Protz und Prunkbischof“ Tebartz-van Elst (226-229). Mynareks Fazit: „Existentielle Schizophrenie des Papstes“ (234).
    Schließlich wird noch „Irritierendes, Ketzerisches, Sensationelles in einigen Aussagen des Papstes“ zusammengetragen (237-311). Da dürfen natürlich Unfehlbarkeit (238-243), Wiederverheiratete Geschiedene samt Kardinal Müller (243-245), das „den Männern vorbehaltene Priestertum“ (245-248), der Missbrauchsskandal (251-266), die widersprüchlichen Papstworte vom „würdevollen Schlagen“ (266-272) und von den „Karnickeln“ (277-283), der ehemalige Kardinalstaatssekretär Bertone (288-290) und vieles andere, sogar das „in theologicis offenbar unaufgeklärte Kind Peter Scholl-Latour“ (247), nicht fehlen.
    Mynareks Ausführungen lassen nur allzu deutlich die Hassliebe des ehemaligen katholischen Theologie-Professors zu Theologie, Kirche und Papst erkennen. Ein geschwätziges, unappetitliches Buch.
    Norbert Scholl

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